Fahrbericht: VW Caddy Test Kantiger Kumpel

Wie haben sich die Zeiten geändert: Der erste Caddy von 1979 auf Basis des VW Golf I, für Europa bis 1992 im VW-Werk in Sarajewo gebaut, war ein reines Handwerker- und Kommunalfahrzeug. Meist begegnete einem der Zweisitzer mit der fast obligatorischen Polyester-Haube über der Ladefläche. Damals dachte wohl kaum jemand daran, mit der kantigen Kiste einen Caravan zu ziehen. Doch die zweite Generation von 1995 auf Basis des Seat Inca war bereits ein vollwertiger Hochdachkombi. Das Modell mit Pritsche, das ein Jahr später erschien, ließ VW als Derivat des Skoda Pick-ups in Tschechien produzieren. 2003 kam dann der dritte Caddy auf den Markt, auf dem die aktuelle vierte Generation basiert.

VW ist bekannt für seine vergleichsweise langen Modellzyklen, aber auch dafür, seine Fahrzeuge stets technisch und optisch auf dem aktuellen Stand zu halten. So ist der heutige Caddy nach dem umfangreichen Facelift von 2011 voll auf der Höhe der Zeit.

Fotogalerie: VW Caddy

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Sachlich, aber nicht nüchtern und zudem sehr übersichtlich: Armaturenbrett und sportives Lenkrad. Wie bei Hochdachkombis üblich, ist die Kopffreiheit auf allen Sitzplätzen enorm, und auch sonst bietet der Caddy Platz satt.

Ob er auch für den Einsatz vor dem Caravan taugt, soll das beste Pferd im Stall zeigen, der Caddy Trendline 2.0 TDI mit 150-PS-Turbodiesel und DSG-Sechsganggetriebe.
Die erlaubten 1.500 Kilogramm Anhängelast meistert der Familien-Hochdachkombi mit links. Der Turbodiesel wuchtet Caddy und Caravan mit 340 Newtonmeter maximalem Drehmoment auch bei niedrigen Drehzahlen längere Steigungen hinauf. Auch das  DSG-Getriebe ist aus anderen VW-Modellen wohlbekannt und geschätzt. Schaltvorgänge passieren selbst unter Last im richtigen Moment und ohne nennenswerte Unterbrechung des Vortriebs. Es überträgt die Kraft so direkt, dass die Vorderräder oft den Grip vermissen lassen. Der Verbrauch an Diesel pendelt sich mit Familiencaravan am Haken bei rund 10,4 Litern je 100 Kilometer ein.

Beim Fahrwerk merkt man dem Caddy am ehesten an, dass er für den harten Alltagseinsatz gedacht ist. Die Federung spricht straffer an, als man es etwa vom Touran gewöhnt ist. Doch der große Radstand in Verbindung mit den kurzen Überhängen macht den Caddy dafür unempfindlich gegen die Einflüsse des Caravans. Auch bei Tempo 100 oder auf Gefällestrecken übernimmt der Wolfsburger souverän die Führung des Gespanns. Zudem hält das elektronische Stabilisierungsprogramm mit Bremsassistent, ABS, ASR, EDS und MSR die Fuhre sicher auf Kurs. Die Anhängekupplung liefert VW inklusive Gespannstabilisierung.

Die Sitze in erster und zweiter Reihe sind für VW typisch fest und gut gepolstert und auch auf langen Strecken bequem. Die im Innenraum und am Armaturenbrett verbauten Kunststoffe sind ungepolstert, dafür aber von guter Qualität, und gerade Familien werden die Robustheit des Interieurs zu schätzen wissen. Ausgesprochen praktisch sind die beiden Schiebetüren und die große Heckklappe mit niedriger Ladekante.

Bei unserem Testwagen handelte es sich um die 4,41 Meter lange Standard-Karosserie mit 2,68 Meter Radstand und fünf Sitzplätzen. Alternativ bietet Volkswagen den Caddy Maxi mit 4,88 Meter Außenlänge und ebenfalls fünf oder sieben Sitzen an. So oder so: Die hinteren Sitze lassen sich umlegen und auch entfernen, sodass der Caddy sehr vielseitig zu nutzen ist.

Als Trendline mit 150-PS-Turbodiesel und DSG-Getriebe kostet das Fahrzeug ab 28.816 Euro. Der Testwagen kommt auf 37.563 Euro. Den Einstieg beim Caddy bildet der Conceptline mit 84-PS-Benziner ab 18.290 Euro. Bei ihm beträgt die zulässige Anhängelast für gebremste Anhänger 1.300 Kilogramm.

Fazit: Wer mit dem stellenweise rustikalen Charme des Volkswagen Caddy umgehen kann, erhält mit ihm einen unempfindlichen, fahrsicheren Familien-Hochdachkombi für Caravans mittlerer Größe.

Von Mathias Piontek (Text und Bilder)

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