Marokko Reise Camping à la marocaine

Bevor ich mich auf die Reise nach Nordafrika mache, werde ich gewarnt: Es gebe dort Steine werfende Kinder, Terrorgefahr und Campinghochburgen, in denen sich Europäer vor dem marokkanischen Umland abschotten. Jedes Jahr zieht es trotzdem zigtausend Camper nach Marokko. Deshalb mache ich mich dennoch auf den Weg. Der Großteil der Camper entflieht dem kalten europäischen Winter an die Atlantikküste von Westmarokko, wo es zwischen Essaouria und Aglou unzählige Campingplätze gibt.

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Gewürze, Oliven, Stoffe, Arganöl-Produkte, Lampen und Schmuck en masse. Bild: G. Marx.

Essaouria
Lage und Charme der Hafenstadt auf der Höhe von Marrakesch ziehen Surfer, Künstler und Hippies an. Seit 2001 steht die Medina, die Altstadt innerhalb der Stadtmauer, auf der UNESCO-Liste der Welterbestätten. In den Gässchen wuselt das Leben bis in die späten Stunden, es gibt Kunsthandwerk, Gemälde und Andenken zu kaufen.

Authentisch wird’s im Souk, dem Händlerviertel: In Körben aufgetürmte Gewürzberge neben einer Metzgerei, Garküchen, dazwischen Händler in Kaftanen mit Straßenkarren. Alles in einer intensiven Geruchs- und Geräuschkulisse. Weitere Highlights sind der breite, feinkörnige Strand samt Promenade, nicht nur ein Paradies für Surfer.

Rund dreißig Minuten südöstlich von Essaouria im Hinterland liegt Camping Le Calme. Der Weg dorthin führt über eine gut ausgebaute Straße. Entlang der Küste sind hier die meisten Straßen frisch geteert. Angenehm ist der geringe Verkehr hier. Immer wieder tauchen am Ende der Straße blaue Taxis auf, meist alte Mercedes-Benz E-Klassen aus den frühen 90er-Jahren. Ansonsten fahren Lkw oder Reisemobile und vereinzelt Gespanne. Ab und zu muss ich anhalten, wenn ein Bauer ein stures Zicklein zu seiner Herde auf der anderen Straßenseite treibt. Hier auf der Überlandstraße darf ich sowieso nicht schneller fahren als 100 km/h. Zeit, um Natur, Land und Leute bei Stopps voll zu erleben.

Camping Le Calme
Einfach der Beschilderung folgen und die kurze Schotterstrecke rechts zwischen Arganbäumen nicht scheuen. Denn: Dahinter verbirgt sich der Platz. Name ist hier Programm: Le Calme – der Ruhige. Die Stellflächen des Campingplatzes befinden sich hinter dem knallroten Hauptgebäude samt Mosaikverzierung mit kleinem Hotel und großem Pool.

An einer Mauer sehe ich zwei Gespanne mit österreichischem Kennzeichen. „Wir sind den dritten Winter in Folge mit unserem Gespann hier“, erzählt Alfred Pichler aus Wien. „Mit unserem Wohnwagen haben wir bereits ganz Marokko bereist und gesehen.“ Der Campingplatz lasse europäische Standards erahnen. „Dafür ist es hier aber auch preiswerter“, weiß der Österreicher abzuwägen. Warum nur so wenige Camper mit ihren Gespannen hierher kommen, kann er auch nicht erklären. „Für viele ist es wohl die lange Anreise und Gesamtstrecke, die abschreckt.“ Er schätzt die größere Beweglichkeit, die ein Auto mit Wohnwagen bietet im Gegensatz zu den Wohnmobilen, die im Winter hier das Bild marokkanischer Campingplätze dominieren.

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