> Praxis Wintercamping: Anforderungen ans Wintervorzelt

Performance im Schnee: So wählen Sie das richtige Wintervorzelt für den Wohnwagen

04.01.2024
Text: Michael Fischer | Bild: Hersteller, Redaktion

Das richtige Vorzelt ist beim Wintercamping unerlässlich – sei es als Schutz- oder Stauraum. Welche Vorgaben das ideale Wintervorzelt für Ihren Campingurlaub in der kalten Jahreszeit erfüllen sollte, lesen Sie hier.

Wintercamping war die Königsdisziplin beim Camping. Der Caravaner musste an so viel denken und vorbereiten und der kleinste Fehler wurde von Eis und Kälte sofort bestraft. Aber der Winter hat seinen Schrecken längst verloren – nicht nur wegen der milden Temperaturen. Die Ausstattung der Fahrzeuge und Campingplätze hat sich über die Jahre so sehr verbessert, dass Camping im Winter fast schon ein Kinderspiel ist. Aber eben nur fast. Jeder kennt die Bilder von zwei Metern Neuschnee in wenigen Stunden im letzten Jahr in Osttirol.

Neben dem passenden Caravan mit der richtigen technischen Ausstattung muss auch das Vorzelt an die wechselnden Witterungsverhältnisse angepasst sein. Es dient nicht nur als Schnee-, Nässe- und Windschleuse, sondern auch als Stauraum: Denn nirgends haben Urlauber so viel Gepäck dabei wie im Winterurlaub. Skiausrüstung, zusätzliche Decken und warme Kleidung fressen die räumlichen Kapazitäten im Inneren schnell auf. Es braucht Platz, um nach einem Wintertag die Ausrüstung zu trocknen.

Eigenschaften eines geeigneten Wintervorzelts
Foto: Hersteller/ Redaktion

Alle Wintervorzelte sind Teilzelte, und das aus gutem Grund, weiß Dieter Winneknecht, Chef von Zeltschneider dwt: „Ein Teilzelt bietet weniger Fläche für Schnee und somit eine verringerte Last für Gestänge und Dach. Außerdem fallen die Dächer stark ab, sodass der Schnee gut abrutschen kann.“ Eine weitere Besonderheit der Winterzelte sind die Materialien. Sie bestehen aus beidseitig kunststoffbeschichtetem Polyestergewebe. Vorteil: Somit kann keine Feuchtigkeit in die Zeltwände eindringen. Sie bleiben geschmeidig, brechen nicht bei Eis, sind komplett abwaschbar und trotzen winterlichen Witterungsbedingungen zuverlässig. Leichte Sommerzelte nehmen die Feuchtigkeit auf. Bei frostigen Außentemperaturen können die Zeltwände frieren, spröde werden und brechen.

Was sollte das optimale Wintervorzelt sonst haben?

Perfekt sind zwei Eingänge, die je nach Wetterlage genutzt werden können. So bleiben Wintersturm und Schnee draußen, indem der geschützte Eingang benutzt wird. Ein Stalltüreffekt sorgt für gute Querbelüftung, um Kondenswasser zu vermeiden.  Alle Reißverschlüsse sollten mit PVC-geschützten Material abgedeckt sein, sodass auch hier keine Feuchtigkeit eindringen kann. Winterzelte haben keinen Dachüberstand, damit der Schnee problemlos abrutschen kann. Ein angenähter mit PVC beschichteter Schaumstoffwulst sorgt in Verbindung mit einer Andruckstange für eine Abdichtung zur Caravanwand hin, die immer etwas problematisch sein kann.

Optional kann das Winterzelt mit einem Innenhimmel ausgestattet werden, um die Kondenswasserbildung zu minimieren. Auch bei Winterzelten sollten die beiden äußeren Firststangenbefestigungen fest am Fahrzeug mit einer Wandöse verschraubt sein, damit das Zeltdach auch bei stürmischem Wetter in seiner Breite die Spannung behält. Sturmabspannungen sind hilfreich, besonders wenn die Steckschnallen vorgerüstet sind. Die Abspannung erfolgt über eine stabile Zugfeder, welche die Spannung des Gurts reguliert, ein Eisenhering gibt den nötigen Halt.

Damit es bei nassem Schnee und hoher Schneelast nicht zu Problemen kommt, ist gerade bei längeren Aufenthalten ein verstärktes Gestänge sinnvoll. Verwenden Sie First- und Dachgestänge mit mindestens 25 Millimeter Durchmesser. Bauen Sie Zusatzgestänge ein, damit Ihr Zelt den zusätzlichen Belastungen von nassem Schnee, Wind und Tauwetter gut standhält. Beim Gestänge scheiden sich aber die Geister: Dieter Winneknecht ist klarer Gegner von Air-In-Zelte für den Winter. Angetaute und wieder angefrorene Schneeschichten können messerscharf sein, und das halten die Luftschläuchezelte nicht aus. Sie sind als leichte Reisezelte konzipiert, nicht für den Urlaub im Schnee.

Aktuelle Vorzelte, die fürs Wintercamping geeignet sind

Bildergalerie

Für Kurzurlauber: Luftzelte fürs Wintercamping

Man sieht immer öfters auch Luftzelte beim Wintercamping, denn einiges spricht für aufblasbare Luftzelte, wenn es um den Kurzurlaub geht. Michael Haus CEO von Dorema hat schon viele Wintertests mit Luftzelten gemacht – auch mit CCC – und meist nur positive Erfahrungen gemacht: „Wenn die Schneelast wirklich zu hoch wird, kann jedes Zelt einknicken, nur das Luftzelt steht nach dem Entfernen des Schnees wieder auf – das Metallgestänge ist meist Schrott.“

Deshalb hat er sein Magnum Air Force in 260 oder 390 Zentimeter Breite aus extrem widerstandsfähigen Gewebe gefertigt, und ein spezielles System verspricht Einziehen, Aufblasen und Fertig auch bei starkem Schneefall. Ganz neu am Markt ist Vango mit einem Winterzelt zum Aufbasen.

Das Vango Balletto Air Elements ProShield (zu beziehen z.B. über Camp Nation) soll für Langzeitaufenthalt das ganze Jahr über dienen und verwendet neben hochwertigem Material die patentierte Vango AirBeams-Lufttechnologie mit nur einem Ventil. Spezielle Zugluftabdichtungssysteme und eine Zugluftführung sollen dafür sorgen, dass es trocken bleibt.

Bereits 2020 hat Dometic sein Teilzelt für den Winter optimiert. Das Winter Air PVC mit den Abmessungen 2,60 mal 1,80 Meter ist serienmäßig mit Schnee-Stützstangen, doppeltem Schlammschutz, Sturmverspannung und Tarzan-Heringen ausgestattet. Das spezielle PVC-Material soll dafür sorgen, dass das Luftstangen-Vorzelt selbst starkem Schneefall standhält. Es ist ab 1.495 Euro zu haben.

Doch zurück zum Für und Wider. Kurzurlauber sind mit einem Luftzelt im Winter sicherlich gut bedient, da es auch bei widrigen Umständen schnell aufgebaut werden kann und einem nächtlichen Schneefall trotzt.

Mit oder ohne Überstand ist ebenso eine Glaubensfrage wie ob Metall- oder Luftgestänge, entscheidend ist der Einsatz.
Foto: Hersteller

Für (Winter-)Dauercamper: Vorzelte mit solidem Gestänge

Anders sieht das aus, wenn der Caravan die Wintersaison auf dem Campingplatz verweilen soll. Dann führt an einem soliden Metall- oder Fiberglasgestänge samt Zusatzstangen im Dachbereich nichts vorbei. Schnee ist schwerer, als so mancher denkt, und die Last von einem Meter kann ein Zelt zum Einsturz bringen. Kompakte Wintervorzelte mit Stahlgestänge gibt es schon ab 500 Euro.

Die klassischen Zelte, wie das Zürich oder das Kaprun von Vorzeltspezialist Herzog, sind vielbewährt und in der 150-mal-150-Zentimeter-Version ein günstiges Einsteigermodell. Das Treviragewebe mit 450 Gramm PVC-Beschichtung ist hochwertig, das 22 oder 25 Millimeter Grundgestänge ist solide. Das Winterpaket mit zwei Anpressstangen und Polstern kostet aber 100 Euro extra.

Diese sind beim Cortina II von Dwt für 600 Euro gleich dabei. Es misst 200 mal 150 Zentimeter Grundfläche, schraubt sich wie die Herzogzelte je nach Größe bis auf 1.000 Euro hoch. Alle Teile sind aus hochwertigem, beidseitig kunststoffbeschichtetem Polyestergewebe, wetterecht, lackiert und komplett abwaschbar. Die Fensterfolien sollen bis zu 90 Prozent der UV-Strahlung absorbieren.

Vorzelte fürs Wintercamping: viele Angebote

Im Prinzip bietet fast jeder Hersteller ein Winterzelt, nicht jeder mit Luftgestänge, aber alle mit den wichtigsten Winterattributen. Bleibt nur noch die Entscheidung in Größe, Farbe und Ausstattung und der Vergleich der Lieferumfänge. Dann steht dem bevorstehenden Wintercamping, ob kürzer oder länger, nichts mehr im Weg.

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