Im Mai, wenn Millionen von Apfel- und Kirschbäumen blühen, zeigt sich das Alte Land von seiner besten Seite – ein Traum in Zartrosa – auch für Caravaner. Wir stellen die vielseitige Region und sechs Camps im Alten Land vor.
Über 20 Millionen Obstbäume sollen es insgesamt sein, besonders viele davon gedeihen zwischen Jork oder Steinkirchen. Die aufwändig verzierten Prunkpforten und Brauttüren in diesen Dörfern zeugen vom Wohlstand der Altländer Bauern. Auf der einen Seite gedeiht das größte Obstanbaugebiet Nordeuropas, auf der anderen Seite zeigt sich der maritime Charme der Region. Vom Elbufer kann man die dicken Pötte auf ihrem Weg zwischen Hamburg und Nordsee bestaunen oder die Augen schließen und am Sandstrand faulenzen. Es gibt sogar die Möglichkeit, auf einer Elbinsel zu campen.
Das Alte Land am Elbstrom, so der offizielle Name, unter dem sich die Region vermarktet, liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt. Es hat im Übrigen selbst zwei attraktive Hansestädte zu bieten: Stade und Buxtehude – beide ein paar Nummern kleiner als Hamburg, aber durchaus einen Besuch wert. Wem das nicht reicht: Auch ein Ausflug in die Elbmetropole, wahlweise eine knappe Stunde mit der S-Bahn oder mit der Fähre, ist gut machbar. Abends kann man sich dann vom Großstadt-Betrieb auf einem Campingplatz im Alten Land erholen.
Hier, im Obstgarten vor den Toren Hamburgs, werden vor allem Äpfel angebaut, zu 95 Prozent. Geerntet werden die frühen Sorten wie Roter Gravensteiner ab Ende August, die Haupternte beginnt dann Mitte, Ende September. Viele Höfe vermarkten ihr Obst direkt. Vorm Hofeingang stehen die prall gefüllten Obstkisten, in den Bauernhofcafés duftet es nach Apfelkuchen. Mitunter kann man auch selber Äpfel pflücken, die Patenschaft für einen Apfelbaum übernehmen (oder verschenken) und an einer Hofführung teilnehmen.
Zu überregionaler Bekanntheit hat es der Herzapfelhof gebracht. Mit seinen Äpfeln hat es Seniorchef Hein Lühs sogar schon ins Fernsehen geschafft. Ende der 1980er Jahre hat er mit einer Klebe-Schablone ein Herz auf einige Äpfel projiziert. „Das war ursprünglich mehr so ein Gag“, sagt Lühs. Ein Gag, der Frank Elstner gefiel. Er lud Lühs in seine Show „Nase vorn“ ein. Und ermunterte ihn, die Idee mit der Schablone auszubauen. Tatsächlich wurde der Obsthof mit dem Apfel-Herz über die Grenzen des Alten Landes hinaus bekannt und nannte sich fortan „Herzapfelhof“.
Mittlerweile hat Lühs auf Biobetrieb umgestellt und die Herzchen, oder auf Wunsch auch andere Symbole, werden mit Hilfe eines Lasers aufgebracht. Das neuste Projekt des innovativen Obstbauern ist ein Apfel, der auch für Allergiker geeignet sein soll. Lühs hat in dieser Saison erstmals 7.000 Bäume der neuen Züchtung ZIN 168 angepflanzt. Man kann sogar auf einem Obsthof campen: Auf dem Neßhof in der Gemeinde Guderhandviertel, etwa 6 Kilometer von Jork entfernt, führt der Weg zum Stellplatz durch eine traditionelle Altländer Prunkpforte.
Auf der Elbe ist immer Showtime. 40.000 Schiffe steuern jährlich den Hamburger Hafen an und passieren dabei auch das Alte Land. Am Lüheanleger und in Stadersand hat man sie alle im Blick – die Containerriesen, die Kreuzfahrtflotte und die Segelboote, die angesichts der dicken Pötte winzig klein daherkommen. Besonders entspannt lässt sich das Ganze aus der liegenden Position betrachten, etwa am langen Sandstrand in Bassenfleth oder am Krautsand-Strand – ein Urlaubsgefühl wie an der Nordsee, obwohl es bis dort noch ein paar Seemeilen sind. Baden ist an der Elbe offiziell erlaubt, manche Strände, etwa in Lühe, werden auch von der DLRG überwacht. Dennoch wird immer wieder davor gewarnt, zu weit raus zu schwimmen.
Entlang der Elbe kann man auch hervorragend Radfahren, immer wieder mit Blick aufs Wasser. Über 1.000 Kilometer lang ist das Radwegenetz, an manchen Stellen führt die Route über den Deich. Wem die Puste ausgeht, der kann in den Elbe-Radwanderbus steigen, jedenfalls von April bis September.
Wer die maritime Seite des Alten Landes schätzt, ist auf dem Camping Krautsand in Drochtersen gut aufgehoben. Er liegt nur 100 Meter von der Elbe entfernt. Man kann sogar auf einer Elbinsel campen. Auf Lühesand liegt ein einfach ausgestatteter Platz mit ganz viel Natur drum herum – ein Platz für Leute, die mal ein paar Tage die Zivilisation hinter sich lassen wollen. Meist sind es Dauercamper, die hier ihre Zelte aufschlagen. Fährmann Holger Blohm schippert die Wohnwagen zwischen dem Festland und der Insel hin und her.
Am Insel-Anleger steht ein Sammelsurium von Schubkarren. Damit transportieren die Camper alles, was sie brauchen. Denn Lühesand ist autofrei. Strom gibt es auch nicht, man versorgt sich mit Solaranlagen. Der Luxus hier ist die Ruhe und vor allem der Blick auf den Fluss. Einer der Dauercamper spricht vom ganz besonderen Blick auf seine persönliche Elbchaussee. Wer nicht gleich auf Lühesand campen will, kann die drei Kilometer lange Insel auch als Tagesgast besuchen. Man kann mit der Personenfähre übersetzen, es gibt sogar ein Gasthaus hier.
„Eigentlich ist Hamburg eine Art Neu-Stade“, sagt Frank Tinnemeyer, PR-Mann aus Stade, selbstbewusst. Denn im 13. Jahrhundert besaß Stade das Stapelrecht und war dadurch bedeutender als Hamburg, das rund 50 Kilometer entfernt ist. Alle Schiffer mussten seit 1259 auf der Fahrt Richtung Hamburg ihre Waren eineinhalb Tage in Stade zum Kauf anbieten: ein enormer wirtschaftlicher Vorteil und durch den Zoll eine hervorragende Einnahmequelle für die Stadt. Jedenfalls solange, bis Hamburg den Stadern dieses Stapelrecht abluchste – angeblich durch eine gefälschte Urkunde, erzählt Herr Tinnemeyer.
Die Stadt ist das reinste Freilichtmuseum, zum Glück ein quicklebendiges. Die nüchternen Straßennamen – Wasser Ost und West – rund um den alten Hansehafen sind eine glatte Untertreibung. Hier, im Zentrum der schönen Altstadt sitzen die Gäste bis spätabends in den zahlreichen Restaurants und Cafés, umgeben von aufwendig renovierten Backsteinhäusern. Beinahe wäre der alte Hansehafen zugeschüttet worden. Und der Schwedenspeicher direkt daneben, wo die schwedischen Besatzer im Dreißigjährigen Krieg Lebensmittel lagerten, sollte einem Parkplatz weichen. „Zum Glück war kein Geld dafür da. Stade war zur richtigen Zeit arm“, sagt Frank Tinnemeyer. Er spricht von den 60er-Jahren.
Später dann konnte die Stadt Fördergelder abrufen, die Hafenmauer wurde saniert, der Speicher restauriert. Er beherbergt heute ein sehr empfehlenswertes Museum zur Geschichte der Stadt und der Hanse. Wenn man die großbürgerlichen Häuser im Zentrum betrachtet, wird schnell klar: Stade war mal richtig bedeutend. Ein Paradebeispiel dafür ist das Domizil von Bürgermeister Hintze (1617–1646), der mit einer Walfangflotte zu Geld gekommen war. Er ließ es sich nicht nehmen, seine Bedeutung als Stadtoberhaupt in Stein meißeln zu lassen. Der Handel florierte, geschickte Händler kamen zu Reichtum.
Doch dann versandete die Schwinge, die ein paar Kilometer weiter in die Elbe fließt. Der Hansehafen verlor an Bedeutung. Doch Stade hat auch heutzutage gleich mehrere Häfen zu bieten: den Stadthafen, umgeben von der Stadter Hafencity mit schicken Wohnhäusern und Startpunkt für Ausflugsfahrten, etwa mit dem Tidenkieker, den Industriehafen außerhalb der Stadt an der Elbe sowie Freizeithäfen für Segler und Motorboote. Derzeit plant man in Stade einen stadtnahen Campingplatz als Ergänzung zu den drei Wohnmobilstellplätzen. Bis zur Realisierung bietet sich Campingpark Harsefeld an, 18 Kilometer weiter südlich. Und auch der Freizeit- und Campingpark Geesthof in Klint, ein komfortabler Platz an der Grenze zum Alten Land, rund 22 Kilometer entfernt, ist zu empfehlen.
Buxtehude ist die Zweite im Bunde, die sich mit dem Titel Hansestadt schmücken darf. Zugleich ist Buxtehude Märchen- stadt, bekannt geworden durch „Der Hase und der Igel“. Die Geschichte, in der der pfiffige Igel dank einer List den hochnäsigen Hasen beim Wettrennen besiegt, soll sich auf der kleinen Heide bei Buxtehude abgespielt haben. Die Skulptur von Hase und Igel steht in der Fußgängerzone, mit dem Zusatz: „Lerne vom Hasen, warum rasen?“. Das alte Hafenbecken an zentraler Stelle in der Altstadt gleicht einer holländischen Gracht.
Tatsächlich wurde der Buxtehuder Hafen, wie im Übrigen das gesamte Alte Land, von niederländischen Siedlern geschaffen. Die Holländer waren schon im 12. Jahrhundert Experten in Sachen Deichbau und Entwässerung. Sie legten die Sumpfgebiete trocken, schufen Wasserwege, Wälle und Schleusen. Im Gegenzug erhielten sie Landbesitz. Wie in Stade ist auch der alte Buxtehuder Hafen nicht mehr in Betrieb. In Erinnerung an alte Zeiten dümpelt dort einzig und allein der Ewer „Margareta“, eines der typischen Plattbodenschiffe, die damals auf der Niederelbe unterwegs waren. Camping Sauensiek ist 14 Kilometer entfernt. Und wer noch mehr Hansestadt sehen will, fährt mit der S-Bahn oder schöner noch auf der Fähre nach Hamburg – eine tolle Option, nicht nur für schlechtes Wetter.
Campingplatz Krautsand, Elbinsel Krautsand 58, 21706 Drochtersen, Tel.: 04143/ 1494, info@campingplatz- krautsand.de, www.campingplatz-krautsand.de
*) Vergleichspreis für einen Stellplatz, 2 Erwachsene, 1 Kind, inkl. Strom in der Hauptsaison
Camping Lühesand, Sandhörn 6a, 21720 Grünendeich, Tel.: 0178/3508137, blohm.luehesand@gmx.de, www.elbinsel-luehesand.de
Camping Harsefeld, Quellenweg 3, 21698 Harsefeld, Tel.: 04164/909836, info@ campingpark-harsefeld.de, www.campingpark-harsefeld.de
Campingplatz Sauensiek, Hauptstraße 1, 21644 Sauensiek, Tel.: 04169/911066, gasthof@klindworths.de, www.klindworths.de
Camping Neßhof, Neßstraße 32, 21720 Guderhandviertel, Tel.: 04142/810395, camping@nesshof.de, www.nesshof.de
Freizeit- und Campingpark Geesthof, Am Ferienpark 1, 21755 Klint, Tel.: 0477/4512, info@geesthof.de, www.geesthof.de
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