> Reise: 9 Camps auf Texel

Der Westen der Westfriesen

08.09.2023
Text: Gabriele Beautemps | Bild: Gabriele Beautemps, VVV Texel, Stefan Krofft, Marike Oostra, Jacob van Kaaikamp

Auf der niederländischen Insel Texel gibt es mehr als 30 Campingplätze, jeder mit seinen eigenen Besonderheiten. CCC hat sich neun Camps angeschaut.

Die Überfahrt von Den Helder nach Texel dauert 20 Minuten. Zeit, sich auf die Insel einzustimmen, die erste Nordseebrise zu atmen, vom Winde verweht und von Möwen begleitet – herrlich. Für viele Urlauber ist es ein Wiedersehen. Ähnlich wie die Zugvögel kommen sie jedes Jahr wieder, um auf Texel aufzutanken.

Neun Campingplätze auf der Insel Texel
Foto: Pieter de Vries

Das gilt auch für die Camper, nicht zuletzt, weil tatsächlich viele Plätze überzeugen. Die Stellplätze in den Dünen auf Camping Kogerstrand (Titelfoto) sind einfach grandios. Hoch im Norden, mit Blickkontakt zum Leuchtturm Vuutoren, hat sich De Robbenjager zu einem der Spitzenplätze entwickelt, neuerdings mit dem empfehlenswerten Restaurant RJ, das der Sohn des Hauses führt. Der Ferienpark De Krim kann vor allem bei Familien mit einem modernen, großen Schwimmbad punkten. Dazu gibt es zahlreiche Bauernhofcampings mit maximal 15 Stellplätzen. Wir haben einige ganz besondere entdeckt.

„Ganz Holland auf einer Insel“, damit betont der Tourismusverband VVV die landschaftliche Vielfalt: 30 Kilometer Sandstrand, Wattenküste und Deiche, Heide und Wald. Natürlich auch Windmühlen und Tulpen, Dörfer mit hübschen Backsteinhäusern. Und jede Menge Schafe, rund 14.000, auf jeden Einwohner kommt ein Schaf. Das Strandleben spielt sich im Westen ab, an den Sandstränden von Den Hoorn im Süden bis zur Nordspitze in De Cocksdorp. Hier findet man die großen Campingplätze. Im Osten liegt das Wattenmeer und Oudeschild, Fischerhafen und Standort von Kaap Skil, das die spannende Geschichte des versunkenen Hochzeitskleids lüftet.

30 Kilometer Strand – Entspannung pur.
Foto: VVV Texel

Einiges ist schicker geworden in den letzten Jahren. Manche Restaurants sind edel renoviert, hier gibt’s jetzt Essen auf hohem Niveau, weit entfernt von Frikandel und Bitterballen – etwa im Strandpavillon Paal 17. Dazu sieht man richtig gut gestylte Gebäude – Hotels und Wohnhäuser mit Sonnenkollektoren, die in Reetdächer integriert sind. Die Natur ist dagegen so, wie man sie kennt und schätzt auf der größten niederländischen Watteninsel: naturbelassene Strände und Dünen.

Ein Drittel der Insel besteht aus frei zugängigen Naturschutzgebieten. Dort ist Marcel Wujnalda von Txgids täglich unterwegs. Bei seinen Safaritouren durch die Naturschutzgebiete versteht es der ehemalige Lehrer, selbst pubertierende Jugendliche für Käfer und winzige Halme zu begeistern. Beliebtes Ziel seiner Touren ist De Slufter. Die Nordsee kann hier bei Sturmflut ungehindert eindringend, seitdem 1859 ein Teil des Deichs gebrochen ist. Dadurch ist eine faszinierende Lagunenlandschaft mit Salzwiesen entstanden, im Sommer taucht der Strandflieder die Fläche in zartes Lila.

Farbenrausch: mit dem Rad durch die im Spätsommer zart lila blühende Heide.
Foto: Marike Oostra

Marcel motiviert die Teilnehmer seiner Exkursionen, genau hinzuschauen und sich einfach mal Zeit zu lassen. Dafür ist Texel wie geschaffen. Man schaltet hier ganz schnell einen Gang runter. Die Sorge, etwas zu verpassen, ist überflüssig. Dünen, Meer und Himmel sind morgen auch noch da, frei von Lärm und blinkenden Bildschirmen. Also kann man den Kindern und Hunden stundenlang beim Toben am Strand zuschauen oder selbst mit toben. Und bei langen Strandspaziergängen die Lichtspiele auf dem Wasser beobachten oder in die Pedale treten.

Denn Texel ist eine Fahrradinsel. Die Radwege, insgesamt 140 Kilometer, sind perfekt in Schuss und ausgeschildert – am schönsten radelt es sich am Rande der Dünen und durch den Wald. Selbst wenn man zwischendurch eine Hauptstraße nehmen muss, kann man zuverlässig auf einer separaten Trasse abseits vom Autoverkehr fahren. Lediglich der Wind bremst die Radler öfter mal aus. Wie sagte doch der freundliche Mitarbeiter vom Radverleih: „Auf dem Rückweg ist immer Gegenwind, da kannst du dich drauf verlassen“.

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Den Hoorn

In Den Hoorn gibt es nicht nur einen schönen Ortskern, sondern auch einige empfehlenswerte Lokale – vom bodenständigen Pfannenkuchenhaus Klif 23 bis zum Sternelokal Bij Jef. Im südlichsten Dorf der Insel mit dem markanten weißen Kirchturm lebten im 18. Jahrhundert viele Lotsen, die die Handelsschiffe durch die Untiefen rund um Texel manövrierten. Von der Loodsmannsduin hielten sie Ausschau nach Kundschaft.

Der Campingplatz Loodsmansduin, der sich heutzutage in der Nähe befindet, hat den Namen übernommen. Im Frühjahr wird der Weg zum Camping von farbenfrohen Tulpenfeldern gesäumt. Ein paar Nummern kleiner ist der Bauernhofcamping Vrij und Blij (Frei und glücklich) am Westerweg. Er bietet nebenan einen gut sortierten Hofladen mit allen Produkten der Insel.

Nach Den Burg, der „Hauptstadt“ von Texel, wo die Hälfte der Insulaner lebt, sind es rund sechs Kilometer. Ein idealer Ort für einen Stadtbummel: 65 Häuser in und rund um Den Burg stehen im Denkmalregister. Und wer noch was Hübsches fürs heimische Wohnzimmer sucht, findet hier mit ziemlicher Sicherheit etwas Passendes. Außerhalb von Den Burg liegt Tesselse Kamping. Das Besondere hier: Im Rahmen von Care Farming werden in einem separaten Teil ältere Menschen betreut. Sie können sich entsprechend ihrer Möglichkeiten einbringen, etwa im schönen Bauerngarten.

Infobox

TIPPS DER AUTORIN

Tickets für die stündlich, in der Saison alle 30 Minuten, verkehrende Fähre gibt’s auf www.teso.nl/de oder am Hafen in Den Helder. Pkw mit bis zu neun Personen kosten hin und zurück 26 oder 39 Euro (freitags bis montags), ein Caravan pro Meter 6,10 bzw. 8,15 Euro. Autos dürfen mit einer Parkvignette für 20 Euro pro Woche auf allen öffentlichen Parkplätzen stehen. Buchen über www.texelvignet.nl.

Außer Linienbussen fahren auf der Insel kleine Busse, die Texelhopper, die mindestens eine Stunde vorher reserviert werden müssen. Mehr auf www.texelhopper.nl. Es gibt 225 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege. Zur Brutzeit der Vögel sind allerdings einige gesperrt. Das gilt vom 1. März bis 1. Juli, in manchen Gebieten bis 1. August. Weitere Infos gibt es bei der Tourist- info VVV in Den Burg, Tel.: 0031-222- 314741, www.texel.net/de

Oudeschild

Im 17. Jahrhundert lagen die Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie, Kriegsflotten und Walfänger hier auf der Reede. Sie tankten das stark eisenhaltige Wasser der Insel, weil es als besonders haltbar galt. Und sie warteten auf guten Wind. Ab und zu sank ein Schiff vor Texel. Deshalb liegen noch immer Dutzende von Schiffswracks auf dem Meeresgrund.

In einem Wrack, das 1650 gesunken ist, entdeckten Taucher 2014 zwei besonders luxuriöse Gewänder – ein mit Silberfäden gesponnenes Hochzeitskleid und eine vollständig erhaltene Seidenrobe. Diese Kleider sind jetzt das Highlight im Museum Kaap Skil. Im Museum kann man nicht nur schauen und staunen, sondern auch Handelsschiffe durch Meerengen manövrieren oder mit ihnen untergehen – digital natürlich. Ein Spaß nicht nur für Kinder.

Krabbenfischer Marcel zeigt im Hafen von Oudeschild nicht nur Robben, sondern auch den Beifang der TX20 Walrus.

Ein tolles Erlebnis – ganz analog, mit echten Fischen zum Anfassen – ist die Tour mit einem Garnelenfischer. Käpt’n Herman legt mit seiner TX20 Walrus von Mitte März bis Anfang November zweimal täglich am Hafen von Oudeschild ab. Sobald sich der Kutter ein Stück von der Küste entfernt hat, werfen die Fischer die acht Meter langen Netze aus. Der Fang wird an Bord sortiert. Die Krabben wandern in den großen Kochtopf und können anschließend an Bord gepuhlt und gegessen werden. Den Beifang – Knurrhähne, Seesterne und Petermännchen – stellt der Fischer Marcel ausführlich vor. Mutige Kinder dürfen die Fische auch anfassen, bevor sie dann wieder über Bord geworfen und freigelassen werden.

De Koog

De Koog ist das touristische Zentrum, direkt am schönen Sandstrand gelegen. Das Ortszentrum mit zahlreichen Geschäften und Restaurants verströmt eher den Charme einer Fußgängerzone der 70er-Jahre. Der Vorteil: Man bekommt hier alles. Strand und Dünen sind erstklassig. Ebenso die Campingplätze, allen voran Camping Kogerstrand, auch der wesentlich kleinere Platz De Shelter ist empfehlenswert. Selbst in der Hochsaison findet man einen Platz am Meer, sobald man sich ein bisschen von den Hauptzugängen entfernt.

De Cocksdorp

Das Markenzeichen von De Cocksdorp hoch im Norden ist der Leuchtturm Vuurtoren, genau zwischen Nordsee und Wattenmeer gelegen. Wer die 118 Stufen erklimmt, kann sich ganz Texel von oben anschauen. Dicht am Turm liegt der Camping Robbenjager, außerdem gibt es den ebenfalls sehr schönen gelegenen Camping im Ferienpark Land Sluftervallei und den 5-Sterne-Camping De Krim.

Hier sitzt auch die Zentrale von De Krim Texel. Ursprünglich eine genossenschaftliche Initiative, um den Norden der Insel touristisch zu entwickeln, hat sich De Krim mit neun Ferienparks zum größten Vermieter auf der Insel positioniert. Teil davon sind auch vier Campingplätze. Ein kleiner Geheimtipp: Hier gewährt man eine Schön-Wetter-Garantie. Wer bei Regen früher abreist, darf seine verpassten Urlaubstage zu einem anderen Zeitpunkt nachholen. Da Texel der sonnenreichste Ort der Niederlande ist, werden die meisten aber wohl eher bleiben und auf das nächste Hoch warten.

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