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Innsbruck abseits der Tournee

05.02.2024
Text: Axel Scheibe | Bild: Axel Scheibe, Innsbruck Tourismus

Innsbruck ist weltweit bekannt für seine Skigebiete und Wintersport-Wettbewerbe. Doch ein winterlicher Abstecher in die Tiroler Hauptstadt lohnt auch in der Nebensaison.

Junge Leute mit den Skiern auf dem Rücken prägen ebenso das Straßenbild wie in Stein gehauene Zeugnisse vergangener Zeiten. Die k. u. k. Monarchie und viele Jahrhunderte zuvor lassen grüßen. Innsbruck ist halt gleichzeitig eine junge und auch eine alte Stadt. Ersteres unterstreichen nicht nur die 35.000 Studierenden, die sich in der hiesigen Hochschullandschaft sichtlich wohl fühlen.

Für Zweiteres stehen die prächtigen, barocken Bauten, genannt seien nur die Hofburg, der Dom und das Helblinghaus, die den Stadtbummel zum Erlebnis machen. Wie oft ist man einfach nur daran vorbei gefahren? Ob vom Süden nach Norden oder vom Westen nach Osten. Während die meisten Winterurlauber nur schnell an ihr vorbei jagen, nur das Ziel, den geplanten Skilift im Auge, lohnt ein Abstecher für zwei, drei oder gar vier Tage ins winterliche Innsbruck auf jeden Fall.

Vorbei an farbenfrohen Häusern, Boutiquen und gemütlichen Cafés lässt es sich in der Altstadt herrlich bummeln.
Foto: Axel Scheibe

Auch wenn die schneebedeckten Gipfel der Nordwand noch so verlockend sein mögen, zumindest für „Neulinge“ ist eine kleine Stadtführung durchaus empfehlenswert. Sicher, die Altstadt ist nicht groß und eigentlich leicht zu erkunden, doch die zahlreichen kleinen Straßen und engen Gassen rund um das „Goldene Dachl“ können schon verwirren. Wenn man sich da ein gutes Stündchen gönnt, vielleicht sogar mit Stadtführerin Antonella Placheta, ist man hinterher nicht nur klüger, sondern bekommt auch manch guten Tipp mit auf dem Weg.

So ist zwar jedem Besucher klar, dass das „Goldene Dachl“ das Wahrzeichen der Stadt ist. Dabei ist dieser spätgotische Prunkerker trotz seiner 2.657 feuervergoldeter Kupferschindeln gar nicht so auffallend, wie mancher Besucher erwartet hat. Eine kleine Enttäuschung inklusive – wie manch anderes Wahrzeichen in manch anderer Stadt auch. Aber klar, wenn das Gold in der Sonne glänzt und man bedenkt, dass jede Schindel rund 1.500 Euro wert ist – es hat schon was.

Doch nicht weniger beeindruckend ist ein Abstecher in die Hofkirche, im 16. Jahrhundert als Grabkirche für Kaiser Maximilian I. errichtet. Wenn auch der Sarg leer ist, der Kaiser wurde in der Burg in der Wiener Neustadt begraben, zählt sie doch zu den großartigsten Kaisergräbern Europas. Flankiert von 28 überlebensgroßen Bronzestandbildern der Verwandtschaft des Kaisers thront das Hochgrab in der Kirche. Diese Bronzefiguren, im Laufe der Jahrhunderte schwarz geworden, sorgen dafür, dass der Volksmund nur von der „Schwarz-Mander-Kirche“ spricht.

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Sehenswürdigkeiten in der Altstadt Innsbrucks

Nach dieser ersten Überraschung, die Antonella für ihre Gäste bereithält, geht es quer durch die Altstadt. Ob Dom St. Jacob, Ottoburg, Helblinghaus, Spitalkirche, Taxis-Palais, Hofburg oder Landestheater – überall gibt es reichlich Interessantes rund um die Innsbrucker Geschichte zu erfahren.

Ergänzt wird das Ganze durch eine weitere Überraschung. Das sehenswerte Volkskunstmuseum präsentiert neben anderen tollen Exponaten eine große Ausstellung von Weihnachtskrippen. Das hätte man hier wohl kaum erwartet. Und wenn draußen noch Schnee liegt, passt diese Exposition doppelt gut.

Bevor die Führung zu Ende geht, gibt es von Antonella noch zwei gute Tipps. Denn nicht nur vom Stadtturm kann man der Stadt aufs Dach sehen, sondern auch vom Haus der Musik und von der Rathaus Galerie aus bieten sich sehenswerte Blicke und schöne Fotomotive. Den Blick über die Dächer erreicht man freilich auch auf anderen Wegen. Und damit kommt nun endlich auch die Nordwand ins Spiel, die schon lange so verlockend auf die Stadt herunter blickt.

Von der Stadt in die Berge

Ob mit oder ohne Ski, in eleganter Form geht es direkt aus dem alten Zentrum hinauf auf den Berg. Die Hungerburgbahn erledigt die ersten 300 Höhenmeter in fast futuristischem Design. Das betrifft nicht nur die Architektur ihrer Stationen, sondern auch die Züge selbst und die ausgeklügelte Sicherheitstechnik. Ein Erlebnis für sich. Außerdem lädt die Haltestelle Alpen Zoo zu einem kurzen Ausflug in die Alpine Tierwelt ein. Zwar halten die Murmeltiere ihren wohlverdienten Winterschlaf, zu sehen und zu entdecken gibt es selbst im Winter trotzdem reichlich. Durch seine direkt am Berg und im Berg integrierte Architektur findet der Alpenzoo nicht sofort seinesgleichen.

An der Station Hungerburg auf 860 Meter heißt es umsteigen. Weiter hinauf geht es über die Seegrube mit erneutem Umsteigen bis zum Hafelekar. Dort auf 2.334 Meter ist man dann wirklich im Hochgebirge angekommen. Weht der Wind auch zumeist eisig ums Haus, den Winterweg Hafelekar sollte man schon unter seine, hoffentlich gut beschuhten Füße nehmen. Übrigens die Abfahrt vom Hafelekar gehört mit bis zu 70 Grad Gefälle zu den steilsten Skitouren Europas. Na dann – Ski heil! Die Auffahrt lohnt aber für alle, auch ohne Abfahrtslust.

Der Blick auf Innsbruck und die umgebende Bergwelt ist überwältigend. Wenn dann noch einer der Paraglider gestartet ist und einen bunten Farbtupfer am Himmel setzt, ist das optimal. Im Süden, dort wo sich die Berge Richtung Brenner aufbauen, wie ein Spielzeug klein, ist die Bergiselschanze, der man vielleicht am nächsten Tag einen Besuch abstattet. Eine Fahrt hinauf auf den Schanzenturm präsentiert das Stadtpanorama dann von einer ganz anderen Seite.

Nicht nur der Stadtturm bietet eine großartige Aussicht, auch vom Haus der Musik hat man einen herrlichen Blick auf die Türme der Altstadt und die umliegenden Berge.
Foto: Axel Scheibe
Foto: Foto: Axel Scheibe

Schlemmen in Innsbruck

Nun könnte man sicherlich einige Tage in der näheren, winterlichen Umgebung der Stadt verbringen. Etwas mehr Zeit für die Altstadt kann man aber durchaus auch recht kulinarisch investieren: Wie wäre es mit einem Frühstück im Strudl Cafe Kröll. Nun wenige Schritte vom Goldenen Dachl entfernt offeriert der Familienbetrieb seit fast 50 Jahren die wohl größte Strudelauswahl weit und breit. Und dabei belässt man es nicht bei den süßen Varianten, sondern es geht auch durchaus herzhaft.

Nicht weniger lohnenswert ist ein mittäglicher Abstecher ins Weisse Rössel. In dem Traditionsgasthaus, das seit vier Generationen fest in Familienhand liegt, steht Tiroler Hausmannskost hoch im Kurs. Und das auf höchstem Niveau. Allein vom „Tiroler Gröstel“ stehen, je nach Saison, bis zu einem halben Dutzend Variationen auf der Karte. Ob mit Pilzen, Spargel, Wild, oder Blutwurst, die Qualität und Vielfalt überzeugt. Mit dem Kaiserschmarrn drängt sich eine weitere Tiroler Spezialität in den Mittelpunkt. Übrigens man kann im „Rössl“, wie es die Einheimischen kurz nennen, auch gut schlafen. Die Chronik berichtet: Das war bereits im 17. Jahrhundert der Fall. Familie Plank kümmert sich auch bereits seit 100 Jahren um das Wohl ihrer Gäste.

Noch etwas weiter zurück reicht die Ahnentafel der Familie Munding, seit 1803 betreibt sie in der Altstadt das gleichnamige Café. Kaum ein Gast kann der Palette leckerer Konditorwaren widerstehen, die sich da hinter der Theke aufbauen. Warum also nicht einmal eine kleine Sünde begehen. Und sei es nur eine der goldenen Dachschindeln, die ebenso als süßes Schmankerl auf den Teller kommen können wie Hoferkugeln. Es muss ja nicht immer Mozart sein. Beides sind beliebte Mitbringsel für Touristen aus aller Welt.

Nach so viel Schlemmereien fehlt eigentlich nur noch eines – ein guter „Verdauer“. Dabei kommt man kaum um die Brennerei Steixner herum. Noch wenig Tradition, also etwas untypisch, gehören deren hochprozentige Produkte trotzdem schon als fester Bestandteil zur Innsbru- cker Gastronomie. Seit sieben Jahren betreiben Monika und Anton Steixner „Die Brennerei“. Dort frönen beide ihrer großen Leidenschaft und destillieren so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann.

Wer sich die Mühe macht und die Sortimentsliste durchzählt, kommt auf genau 31 Sorten. Das reicht vom Apfelbrand über den Edelobstler „Apfel-Birne“ und den beliebten Marillenbrand bis zum Haselnussgeist. Da bleibt keine Kehle trocken. Viele der Obstsorten „glauben“ sie selbst. Und natürlich kommen auch eigene Whiskys und ein eigener Gin auf die Tafel in der kleinen Gaststube, die sie mit viel Liebe im ehemaligen Stall des historischen Hofes eingerichtet haben.

Der bisherige Höhepunkt ihrer Brenner-Leidenschaft ist der Gletscherbrand, der hoch über Kals am Fuße des Großglockners über viele Wintermonate im tiefen Schnee auf der Luckneralm, der Heimat Monikas, im Eichenfass reift. Kulinarisch gut versorgt, fehlt eigentlich nur noch etwas Besonderes fürs Auge. Wenn der Weihnachtsmarkt die Straßen und Gassen der Altstadt „geräumt“ hat und es etwas ruhiger geworden ist, lädt noch immer „Lumagica“ in den Hofgarten ein. Ein einzigartiger Lichterpark mit einer magischen Reise ins Land der Fantasie.

Infobox

Infos Innsbruck und Campingmöglichkeit in der Region

  • Innsbruck Tourismus, Burggraben 3, A-6020 Innsbruck, Tel.: 0043/512/5356, office@ innsbruck, www.innsbruck.info
  • Ferienparadies Natterer See, Natterer See 1, A-6161 Natters/Tirol, www.natterersee.com. Campingplatz auf 11 ha mit 51 Mietunterkünften und 200 Standplätzen, 7 km von Innsbruck entfernt. Ein modernes Multifunktionsgebäude beherbergt einen Minimarkt, eine Bibliothek sowie das Café-Bar-Bistro SunSEEbar mit Frühstück. Im Sanitärgebäude Ausstellung von 1.500 Miniatur-Campingfahrzeugen in Glasvitrinen. Kleine Kapelle am Platz. Leih-Pkw vor Ort. Automat für Kassettenentleerung. Restaurant und Skibus. ADAC-Vergleichspreis 65,50 – 79,50 Euro.
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