> Winterreifentest 2023

Premiumhersteller versus günstige Anbieter

19.10.2023
Text: Camping, Cars & Caravans | Bild: GTÜ

Die Wahl der richtigen Reifen ist wichtig für eine sichere Fahrt. Die hiesigen klimatischen Bedingungen stellen große Anforderungen an Winterreifen. Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) hat sieben Premiumreifen und drei günstigere Reifen der Dimension 235 / 55 R18 für SUV getestet.

Wenn die Temperaturen dauerhaft unter sieben Grad sinken beziehungsweise die Nächte frostig werden, ist es höchste Zeit, um die Sommerreifen am Zugfahrzeug gegen Winterreifen zu tauschen. Ob der kommende Winter viel Regen bringt oder schneereich wird, wird sich zeigen. Winterreifen müssen daher mit beiden Bedingungen gut zurecht kommen und sowohl bei Schnee als auch bei Nässe sicheren Grip bieten.

Um die Fahreigenschaften genau zu überprüfen, hat die GTÜ zehn Winterreifen der Dimension 235 / 55 R18 getestet. Für den Test ging es ins finnische Arctic Center Ivalo, wo die Reifen sich bei minus 4,5 Grad und schneebedeckter Fahrbahn beweisen mussten, und auf die Goodyear-Teststrecke im französischen Mireval bei 13 bis 18 Grad. Getestet wurden sieben Marken- und Premiumreifen sowie drei günstige Reifen der Hersteller Austone, Sailun und Fortuna.

Foto: GTÜ
Foto: GTÜ

Bei Schnee

In der Winterdisziplin auf schneebedeckter Fahrbahn und bei Minusgraden wurde das Brems- und Fahrverhalten der Winterreifen getestet. Das Beschleunigen meisterten alle Reifen im Test gut, das Feld lag dicht beeinander. Auch beim Bremsen auf Schnee aus einem Tempo von 35 km/h lieferten alle Reifen ein solides Ergebnis ab. Hier belegte nach dem Bridgestone mit einem Bremsweg von 12,26 Metern überraschenderweise der günstige Austone den zweiten Platz.

Auch beim Handling auf Schnee zeigten sich keine Ausreißer. Hier konnte ebenfalls der Austone neben dem Michelin das Testteam von ACE, GTÜ und ARBÖ überzeugen: Beide ließen sich bei Schnee gut lenken, hatten eine gute Seitenführung und reagierten schnell auf Fahrbahn-Veränderungen. Der Reifen von Sailun wurde in der Disziplin Letztplatzierter, landete aber dennoch im gelben Bereich. Trotz leichter Schwächen in der Bodenhaftung und der Fahrstabilität in Kurven vor allem bei Bergauf-Passagen war er insgesamt beherrschbar. Die Reifen von Goodyear und Nokian zeigten minimale Schwächen in der Traktion bei Bergauffahrten und in der Seitenführung.

Auf dem Trockenen

Das Bremsen auf trockener Fahrbahn aus 100 km/h bereitete fast keinem der Testreifen Probleme. Der Fortuna kam erst nach 45,3 Metern zum Stehen und hatte damit einem im Vergleich zum Besten in dieser Disziplin, dem Michelin (40,4 Meter Bremsweg) einen knapp fünf Meter längeren Bremsweg, was deutlich zu viel ist.

Beim Handling auf trockener Fahrbahn erwiesen sich die Reifen von Hankook, Goodyear, Nokian, Pirelli und Bridgestone als die besten und ließen sich sowohl präzise lenken als auch sicher in den Kurven führen. Der Michelin und der Sailun erwiesen sich als minimal schwächer als die Spitzengruppe, aber immer noch sicher zu fahren. Der Fortuna und der Austone waren in Kurven schwieriger zu lenken, zeigten ein ausgeprägtes Untersteuern und waren insgesamt zu unpräzise und schwammig lenkbar.

Foto: GTÜ

Bei Nässe

Beim Bremsen auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h mussten die Reifen alles geben, denn der Bremsweg ist hier deutlich länger gegenüber dem auf trockener Straße. Der Beste im Test wurde hier der Hankook mit einem Bremsweg von 30,4 Metern. Die meisten der anderen getesteten Reifen, so auch der bei Schnee insgesamt letztplatzierte Sailun, lagen relativ dicht an diesem Ergebnis und bremsten nach 30 bis 32 Metern ab. Der Fortuna (41 Meter Bremsweg) und der Austone (38,8 Meter Bremsweg) fielen in dieser Disziplin durch. Ihr Bremsweg entspricht der Länge von zwei kurzen Sprintern.

Massive Unterschiede zeigten sich beim Handling auf nasser Fahrbahn. Die Reifen von Bridgestone, Goodyear und Nokian ließen sich hier am besten und sehr präzise lenken und fahren. Während auch die anderen getesteten Reifen aus dem Marken- und Premiumbereich hier gut beherrschbar waren, erwiesen sich die Günstigeren als Enttäuschung auf dem Gebiet. Der Sailun lieferte hier grade noch akzeptable Eigenschaften, die Reifen von Fortuna und Austone jedoch entpuppten sich als Sicherheitsrisiko. Bei ihnen kam es teils zu einem extremen Untersteuern, zudem hatten sie deutlich zu wenig Grup und waren unpräzise in der Lenkung.

Aquaplaning längs und quer: Eine besondere Bedeutung maßen die Tester der Disziplin Aquaplaning bei, welches grade bei höherer Geschwindigkeit lebensgefährlich sein kann. Auch hier gab es große Unterschiede: Der Bridgestone meisterte den Längs- und Quertest am besten, der Austone und der Fortuna zeigten sich als schwierig und extrem anfällig bei Aquaplaning. Die anderen Testreifen zeigten ein solides Fahrverhalten bei Aquaplaning.

Die Testergebnisse
Foto: GTÜ

Winterreifentest 2023: Fazit

Der Reifen von Bridgestone hat im Test den besten Eindruck hinterlassen und zeigte in allen Disziplinen ein gutes Gesamtbild. Auch die Reifen von Hankook und Continental konnten überzeugen. Der Reifen von Sailun erreichte noch ein bedingt empfehlenswert, erwies sich jedoch mit knapp 75 Dezibel (zwei Dezibel über dem EU-Label-Wert) als der lauteste Reifen im Test.

Enttäuscht haben die Winterreifen von Austone und Fortune, die sich zwar bei Schnee als stark erwiesen, aber mit einem Wetterwechsel nicht zurechtkamen und somit den Test nicht bestanden. Beim Reifenkauf gilt, dass der Preis nur ein untergeordnetes Kriterium bei der Wahl sein sollte und die Verkehrssicherheit immer im Vordergrund stehen muss. Reifentests liefern eine klare Orientierung beim Kauf. Den ganzen Test finden Sie auch auf www.gtue.de.

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