Hinter den Bergen, bei ... nein, nicht den 7 Zwergen, sondern in einem ganz besonderen Teil Spaniens, der nur auf wenigen Bucketlists auftaucht. Zu Unrecht, wie sich zeigen wird. Wir stellen 7 Camps in Aragonien vor.
Aragonien – wo ist das denn? Ich wusste es auch lange Zeit nicht. Bis Fotos von rauschenden Wasserfällen über spektakulären Schluchten meine Neugierde geweckt haben. Die Wasserfälle rauschen in den Pyrenäen, in dem Teil Aragoniens, der an Frankreich grenzt. Die großartige, hochalpine Natur in Kombination mit mittelalterlichen Dörfern aus der Zeit, als Aragonien von 1037 bis 1707 ein Königreich war, das ist es, was die Region so besonders macht. Und weshalb sich auch eine längere Anfahrt lohnt. Nicht zuletzt kann man die Reise mit ein paar Tagen am Mittelmeer verbinden, die nächsten Strände sind rund 300 Kilometer entfernt, in der Höhe von Barcelona.
Für Wanderer ist die Region im Nordosten Spaniens eine echte Entdeckung. Die Pasarelas de Montfalcó wird von Nutzern einer bekannten Wanderplattform als schönster Weg Spaniens bezeichnet, ebenso beeindruckend ist die Tour zu den Felsen von Vila, auch „Chinesische Mauer der Finestres“ genannt. Mountainbiker, Reiter oder Kajakfahrer finden ebenfalls tolle Routen.
Die Gegend ist dünn besiedelt. Die Hälfte der rund 1,3 Millionen Einwohner Aragoniens lebt in Saragossa, der Hauptstadt der Region. In vielen kleinen Dörfern sind acht oder auch mal 20 ständige Bewohner übrig geblieben. Dementsprechend lückenhaft ist die Infrastruktur, auf den öffentlichen Nahverkehr kann man nicht setzen.
Campingplätze gibt es dagegen genug – keine modernen Luxusanlagen, eher kleine Plätze, familiengeführt. Die Plätze, die wir besucht haben, sind durchweg gepflegt und empfehlenswert. Manche hatten ein Schwimmbad, allerdings ein unbeheiztes, zu bieten. Auf höchstem Niveau präsentiert sich die Bergwelt. Zum Beispiel im Tal von Benasque, das Tal mit den meisten Dreitausendern der Pyrenäen.
Juan Carlos war auch schon da. Der eindeutige Beleg dafür stammt von einem verblassten Foto im Restaurant El Fogaril in Benasque, das den Wirt mit dem damaligen König zeigt. Auch wenn der Ex-Monarch nach vielen Skandalen nicht mehr als Aushängeschild taugt: Das Foto lässt jedenfalls vermuten, das sich die Gegend lohnt, wenn sogar ein Royal hier Urlaub macht. Der Ex-König kam zum Skilaufen. Es heißt, er habe bei Freunden gewohnt. Noble Herbergen gibt es in der Gegend keine.
Für diejenigen, die hierher kommen, steht nicht Luxus, sondern Natur an erster Stelle. Und die ist wirklich erstklassig. Von Benasque auf 1.136 Metern überm Meer geht es hinauf in den Nationalpark Posets-Maladeta. Dort ragt der höchste Gipfel der Pyrenäen empor: der Aneto. Er ist 3.404 Meter hoch, der Glacier de Aneto, und einer der letzten Gletscher Spaniens. Wer noch was sehen will vom ewigen Eis und Schnee, sollte sich beeilen. Experten vom Gletscherforschungsinstitut CSIS prognostizieren, dass der letzte von einstmals 45 Pyrenäen-Gletschern spätestens in zehn Jahren geschmolzen sein wird. Bis vor kurzem ist man noch von 50 Jahren ausgegangen.
Das Wandergebiet im Nationalpark liegt auf 2.000 Metern. Hier oben sind die Temperaturen weitaus angenehmer als in der Ebene. Die vielen Gewässer sorgen zusätzlich für angenehm frische Luft. Es gibt hier jede Menge Bäche, Wasserfälle und kleine Seen, in denen sich die schneebedeckten Gipfel spiegeln. Viele dieser Hochgebirgsseen in den Seitentälern, zum Beispiel der Escarpinosa-See, sind auf Wanderwegen gut zugängig.
Die Stille hier ist ungemein erholsam. Auch die Wanderer, die uns gelegentlich entgegen kommen, genießen sie offenbar. Sie schweigen, abgesehen von einem freundlichen Gruß. Jeder ist damit beschäftigt zu gucken. Staunend zu beobachten, wie sich der Gänsegeier in die Lüfte schraubt oder wie sich ein Regenbogen im Wassernebel der Wasserfälle entwickelt. Gelegentlich sollte man natürlich auch auf den Wegverlauf achten. Bewirtschaftete Almhütten wie in den Alpen gibt es hier übrigens nicht. Wer kein Picknick einpackt, muss Diät halten.
Camping Los Baños liegt am dichtesten am Nationalpark. Der einfache Platz, der zum Hotel Turpi gehört, liegt zehn Kilometer außerhalb von Benasque. Der Name bezieht sich auf ein Thermalbad, das es mal in der Nähe gab. Seit einigen Jahren ist es geschlossen und verfällt zusehends.
Zurück in der Zivilisation, frisch geduscht und hungrig, kann man den Tag in Benasque ausklingen lassen. Der 1000-Einwohner-Ort ist das touristische Zentrum im Tal. Als Aragon noch Königreich war, fungierte Benasque als Hauptstadt der Grafschaft Ribagorza. Einige prächtige Stadtpaläste, auch der, in dem die Touristinfo untergebracht ist, zeugen noch heute davon. Man kann durch die hübschen Gassen bummeln, sich in der autofreien Altstadt ein Gasthaus oder ein nettes Straßencafé suchen und die schönen Fassaden und imposanten Berge bewundern.
Auf der Rückseite dieser Gipfel liegt schon Frankreich. Etliche Apartmentanlagen sind in den letzten Jahren entstanden, nicht zuletzt wegen der Skifahrer. Die Lifte surren allerdings im Nachbarort Cerler. 20 Anlagen erschließen das höchstgelegene Skigebiet Spaniens bis auf 2.700 Meter. Zwei Campingplätze liegen rund drei Kilometer außerhalb von Benasque. Wegen der sonnigeren Lage haben wir uns für Camping Aneto entschieden, der ganzjährig geöffnet ist, da er auch die Skisaison mitnimmt.
Wie überall haben auch in Aragonien viele Jüngere die Bergdörfer verlassen. Die meisten sind nach Saragossa (243 m) umgesiedelt. Dorthin, wo es Arbeitsplätze, vor allem in der Textilindustrie oder Logistikbranche, gibt. Maria ist eine der wenigen, die in Montañana ausharrt. Die 77-Jährige verwaltet den Schlüssel zur Kirche Iglesia de Nuestra Señora de Baldós hoch über dem Dorf. Mit bewundernswerter Kondition erklimmt sie den steilen Aufstieg. Montañana ist bis heute kaum verändert. Eine mittelalterliche Brücke, Verteidigungstürme und Kirchen sind – zum Teil jedenfalls – erhalten. Wasser- und Elektrizität gibt es erst seit einigen Jahren im Ort.
Bei Mittelalter-Fans ist das Örtchen zunehmend beliebt. In der Corona-Zeit sind sogar Leute zugezogen, die Zahl der Einwohner stieg damit auf acht. Die aragonische Regierung ist daran interessiert, dass die Dörfer bewohnt bleiben. Der Wohnraum wird kostenlos gestellt. Einmal wöchentlich können die Einwohner gratis ein Taxi nutzen, um im nächstgrößeren Ort einzukaufen oder Arztbesuche zu erledigen. Maria jedenfalls will bleiben. Ihre Kinder, die in Saragossa wohnen, versuchen bisher vergeblich, sie zum Umzug zu bewegen. Vom Camping Lago de Barasona am gleichnamigen Stausee ist Montañana schnell zu erreichen.
Ein ganz besonderer Charme geht von Roda de Isábena aus. Das Bergdorf ist die kleinste Ortschaft Spaniens mit einer Kathedrale. Die imposante Architektur von San Vicente scheint reichlich überdimensioniert in einer Gemeinde mit knapp 30 Einwohnern (Durchschnittsalter 80). Doch Roda de Isábena war im 9. und 10. Jahrhundert Bischofssitz, hier formierte sich der Widerstand gegen die maurischen Herrscher. Heutzutage liegt eine friedliche Stimmung über dem Ort, besonders im wunderbaren Kreuzgang der Kathedrale. Der Ort ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die nahegelegenen Täler Valle de Bisecas und Valle del Ventanillo. Zum Übernachten bietet sich Camping Isabena an. Viele Motorrad-Freaks aus dem süddeutschen Raum haben den Platz auch schon entdeckt.
Ein Höhepunkt – in Höhenmetern und emotional – ist die Wanderung auf dem Pasarelas de Montfalcó: ein Abenteuer-Wandersteig durch die Steilwand, von manchen als beste Tour der Iberischen Halbinsel eingestuft, von anderen als Eingriff in die Landschaft getadelt. Eine spektakulär in den Fels gebaute Treppenanlage führt am Berg entlang, über die Mont-Rebei-Schlucht ist eine Hängebrücke gespannt. Zum Glück sind Treppenanlage und Brücke frisch renoviert, aber der Nervenkitzel bleibt trotzdem. Man sollte auf jeden Fall keine Höhenangst haben.
Die Konstruktion der Treppen ist beeindruckend, noch mehr der Blick auf den unwirklich türkis schimmernden Canelles-Stausee und in die Schlucht von Siegué und den Congost de Mont-Rebei. Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Ort Viacamp, von dort fährt man noch ein gutes Stück zum Parkplatz des Berggasthofs Hostal Montfalcó. Der Weg bis zum Parkplatz Masieta, bereits auf katalonischer Seite, ist rund acht Kilometer lang. Um zum Auto zurückzukommen, geht es auf gleicher Strecke in umgekehrter Richtung. Als Standort ist der Camping in Benabarre, ein hübscher Ort mit Burg und intakter Altstadt geeignet. Von hier kann man auch zum Ausflug zur Chinesischen Mauer der Finestres starten. Die aragonische Version ist allerdings nicht von Hand gebaut, sondern von der Natur geschaffen.
Informationen über Aragonien, auch auf Deutsch, sind auf der Seite des Tourismusverbands zu finden. In den meisten touristischen Betrieb spricht man auch Englisch. Ansonsten ist es ganz hilfreich, wenn man ein paar Sätze Spanisch beherrscht. Auf www.campingsaragon.com sind viele Campingplätze aufgeführt. Sehr übersichtlich, mit guter Karte. Die Beschreibungen zu den Plätzen gibt’s auch in deutscher Sprache. Ideale Zeit zum Wandern ist ab Ende Mai/Juni bis Anfang September.
Für Kulturinteressierte sind die vielen Burgen und Kirchen aus der Zeit, als Aragonien ein Königreich war, spannend. Vielfach unterschätzt und sehr sehenswert ist Saragossa (spanisch Zaragoza), die Hauptstadt der Region. Es gibt einen städtischen Campingplatz dort . Aus den Pyrenäen fährt man mindestens 2 Stunden. Wer in Roda de Isábena vorbeikommt, sollte sich das Restaurant Catedral nicht entgehen lassen. Es liegt im Gebäudekomplex der Kathedrale. Das Essen ist gut, das Preis-Leistungs-Verhältnis ebenfalls und die Atmosphäre in dem alten Gemäuer ganz besonders.
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