> Reisen mit der Maut

Maut in Europa –
Zahlen oder umgehen?

18.05.2023
Text: Philipp Pilson | Bild: Vladyslav Horoshevych/Adobe Stock, ADAC, ACE, Oliver Weber/pixelio

Maut wird auch als Raubrittertum des 21. Jahrhunderts bezeichnet, soll aber dem Bau von Straßen dienen.

In insgesamt 24 europäischen Ländern wird beim Autofahren eine Maut fällig, in acht davon ist für Fahrten auf Autobahnen und Schnellstraßen eine Vignette nötig. In den restlichen 16 Ländern, darunter auf französischen und italienischen Autobahnen, aber auch in Spanien, Portugal, Irland, Polen, Kroatien und Griechenland wird eine streckenbezogene Maut erhoben.

Die Gebühren-Tabellen anbei geben einen Überblick, in welchen Ländern Vignettenpflicht gilt und wo eine streckenbezogene (Brücken/Tunnel-)Maut fällig wird, die in der Regel an Mautstationen oder via Mautboxen (siehe Praxistipp) eingezogen wird. Nicht immer ist das gesamte Autobahn- und Schnellstraßennetz mautpflichtig, zudem verlangen etwa die skandinavischen Länder, Österreich und die Schweiz eine Sondermaut für Brücken, Tunnel und Pässe.

Obacht vor Fallstricken: Wer keinen Ärger haben will, informiert sich vor Abreise über die Maut-Regelungen. Während in manchen Ländern – wie in Österreich – Wohnwagen nicht zusätzlich vignettenpflichtig sind, brauchen in der Schweiz sowohl Zugfahrzeug als auch Anhänger eine gültige Vignette – auch wenn für das Zugfahrzeug (>3,5 t) eine Schwerlastabgabe fällig wird.
Foto: Oliver Weber/pixelio.de

Im Ausland werden mit den Mautgebühren Straßen instandgehalten, Brücken und Tunnel gewartet oder anderweitige Infrastrukturprojekte finanziert – soweit so sinnvoll. Die Urlaubsfreuden trüben die hohen Kosten oftmals dennoch. Das Gute vornweg: Im Vergleich zu den Höhenflügen bei Inflation, Lebenshaltungskosten, Energie und Sprit sind die Straßennutzungsgebühren für 2023 auf einem weiterhin moderaten Niveau.

Foto: ADAC e.V.

Vignetten: Schweiz, Slowenien und Österreich

1985 führte die Schweiz als erstes Land in Europa die Vignette ein. Der Aufschrei, vor allem in Deutschland, war groß. Die internationale Kritik von damals ist mittlerweile verstummt, stattdessen fanden sich viele Nachahmer – allen voran Österreich. Aber auch Bulgarien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn besitzen ein ähnliches System, bieten aber im Gegensatz zu den Eidgenossen auch kurzfristige Tages-, Wochen- oder Monatsvignetten an und haben größtenteils die Klebeversion durch eine elektronische Vignette ersetzt.

Dieser Schritt hin zu einer E-Vignette ist in der Schweiz im Verlauf des Jahres 2023 ebenfalls angedacht, die Klebeversion soll aber zumindest für eine gewisse Zeit parallel weiter existieren. Bis heute hat sich die Autobahnvignette für die Schweiz optisch kaum verändert – bis auf die jährlich wechselnde Farbe. 2023 ist sie gelb. Erfreulich: Die Jahresvignette für die Schweiz kostet nach wie vor 40 Franken. Das entspricht auf Basis des aktuellen Wechselkurses rund 42 Euro. Übrigens: Ab diesem Jahr soll auch die Vollstreckung von Schweizer Bußgeldern in Deutschland möglich sein. Einen festen Termin, wann das geplante Abkommen umgesetzt wird, gibt es aber noch nicht.

Fahrt in den Süden

Foto: ADAC e.V.

Das kostet die Alpenüberquerung für Gespanne*

1. Mont-Blanc-Tunnel (F>I)*¹ 68,10 Euro (Klasse 2)
2. Großer St. Bernhard-Tunnel (CH>I) 48,50 Euro (Kategorie B1)
3. Lötschberg-Tunnel Autoverladung 29,90 Euro *²
4. & 5. Gotthard / S. Bernadino-Tunnel Vignettenpflicht³
6. Pfänder-Tunnel mautfrei *⁴
7. Arlberg-Tunnel 11,50 Euro *⁵
8. & 11. Reschenpass / Pass Thurn mautfrei
9. Brenner-Pass 11 Euro
10. Felbertauern-Tunnel 13 Euro
12. Großglockner 40 Euro
13. Tauernschleuse Autoverladung 32,50 Euro (max. 2,5 m Breite)
14. Tauern- / Klaschberg-Tunnel (Autobahn A10) 13,50 Euro
15. Karawanken-Tunnel (A-SLO) 7,80 Euro
16. Bosruck-Tunnel 6,50 Euro
17. Gleinalm-Tunnel 10,50 Euro *⁶

*(bis 3,5 t zGG, einfache Strecke) via Tunnel, Passstraßen und Autoverladung

¹Der Mont Blanc-Tunnel ist 2023 und 2024 mehrmonatig (außerhalb der Hauptreisezeit) gesperrt. ²Tarif Fr-So + Feiertag: 29,50 €, max. 12 m lang, 2,5 m breit ³Jahresvignette Schweiz notwendig: 2 x 42 Euro ⁴Nur Strecke A 14 zwischen Hörbranz und Hohenems. ⁵Der Arlbergtunnel ist von April bis Oktober 2023 gesperrt ⁶Pyhrnautobahn gesamt (Gleinalm + Bosruck-Tunnel): 17 Euro

Exemplarische Strecken-Mautkosten auf klassischen Ferienrouten für Gespanne:

Von Freiburg an die Côte d’Azur (Mulhouse > Lyon > Aix en Provence > Marseille): ca. 90 Euro* Von Freiburg nach Genua (zur Fähre nach Sardinien): ca. 107 Euro (inkl. 2x Schweizer Vignette) Von München an die Adria (Venedig): ca. 61 Euro (inkl. Vignetten und Maut in Österreich) *Stand Februar 2023. Für das Frühjahr 2023 hat Frankreich eine Erhöhung der Mautgebühren um 4,75 Prozent angekündigt.

Infobox

Praxistipp: Mautboxen sparen Zeit und Nerven

Mautboxen sind praktisch, vor allem – aber nicht nur – für Camper, die viel im europäischen Ausland unterwegs sind. An der Windschutzscheibe platziert, rechnen sie anfallende Autobahngebühren im Ausland elektronisch und kontaktlos ab. So lässt sich unnötiger Stau an den Mautstationen gerade während der Hauptreisezeit vermeiden – und es spart Zeit und Nerven.

Besonders komfortabel ist die Tatsache, dass mit ausgewählten Boxen (ADAC Camper Mautbox, Maut1-Box oder Bip&Go) gleich mehrere Länder wie Italien, Frankreich, Spanien und Portugal abgedeckt werden können. Andere Boxen sind dagegen speziell für eine Region – Autopass für Skandinavien, Liber-t für Frankreich, VIA-T für Spanien, ViaVerde für Portugal oder Telepass für Italien – vorgesehen. Neben streckenbezogenen Mautgebühren kommen einmalige Aktivierungskosten, Versand sowie laufende Miet- und Servicegebühren hinzu.

Foto: ACE

Vignetten-Mautkosten auf Europas Autobahnen*

  • Bulgarien: 1 Jahr: ca. 50 Euro 3 Monate: ca. 28 Euro 1 Monat: ca. 15 Euro 7 Tage: ca. 8 Euro Wochenende: ca. 5 Euro. Die e-Vignette ist online, per App BGTOLL sowie an den Grenzübergängen erhältlich. Ab 3,5 t zusätzliche Vignette.
  • Österreich: 1 Jahr: 96,40 Euro 2 Monate: 29 Euro 10 Tage: 9,90. Euro Vignette in digitaler Form oder als klassische Klebevignette, erhältlich an grenznahen Tankstellen und an ASFINAG Vertriebs- und Mautstellen oder beim ADAC.
  • Rumänien: Kategorie A: 1 Jahr: 28 Euro 90 Tage: 13 Euro 30 Tage: 7 Euro 7 Tage: 3 Euro. Die elektronische Vignette „Rovinieta“ ist an Grenzübergängen und Tankstellen sowie online (auch in deutscher Sprache) erhältlich.
  • Schweiz: 42 Euro/Jahr je für den Zugwagen und den Caravan
  • Slowakei: 1 Jahr: 60 Euro 30 Tage: 17 Euro 10 Tage: 12 Euro. Die E-Vignette ist online, per App „eznamka“ und vor Ort an Grenzübergängen und Tankstellen erhältlich. Ab 3,5 t zusätzliche Vignette.
  • Slowenien: 1 Jahr: 110 Euro 1 Monat: 30 Euro 7 Tage: 15 Euro. Zugfahrzeuge über 1,3 m an der Vorderachse werden höher bemautet.
  • Tschechien: 1 Jahr: ca. 63 Euro 30 Tage: ca. 19 Euro 10 Tage: ca. 13 Euro Abrechnung erfolgt ausschließlich über elektronische Vignetten. Online erhältlich sowie an Verkaufsstellen (Postämter, Tankstellen EuroOil) und Automaten vor Ort.
  • Ungarn: e-Matrica (Kategorie D1, bis 7 Sitze) 1 Jahr: ca. 129 Euro 1 Monat: ca. 23 Euro 10 Tage: ca. 14 Euro Autobahnen und „M“-Schnellstraßen benötigen eine elektronische Vignette.

*Preise für Gespann bis 3,5 t zGG

Brücken-Maut auf dem Weg nach Schweden

Gespannlänge
bis 6
Gespannlänge
bis 15 m
Gespannlänge
über 15 m
Øresundbrücke
(Dänemark > Schweden)
1.220 SEK*
(ca. 114 Euro)
2.310 SEK
(ca. 216 Euro)
Storebæltbrücke über den
Großen Belt (Dänemark)
270 DKK
(ca. 36 Euro)
410 DKK
(ca. 55 Euro)
410 DKK
(ca. 55 Euro)

*Die Zahlstellen befinden sich auf der schwedischen Seite. Online günstiger. Juni-August höhere Preise.

Wichtig: Wohnwagen brauchen in der Schweiz eine eigene Vignette!

Auf slowenischen Autobahnen und Schnellstraßen geht ohne die elektronische E-Vinjeta, die nur digital erhältlich ist, nichts. Wer ohne gültige Vignette angetroffen wird, zahlt zwischen 300 und 800 Euro Geldbuße. Wie in der Schweiz, ist auch in Slowenien der Preis für die E-Vignette gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Sie kostet für das ganze Jahr 110 Euro, ein Monat 30 Euro und sieben Tage 15 Euro. Praktisch: Die Jahresvignetten sind zwölf Monate ab dem gewünschten Beginn der Gültigkeitsdauer gültig und können bis zu 30 Tage vordatiert werden. Zusätzlich fallen Mautgebühren für den Karawankentunnel an.

Im Gegensatz zur Schweiz wurden in Österreich die Vignettenpreise deutlich angehoben. Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen zahlen 96,40 Euro für das Jahres-Pickerl. Eine Vignette genügt für Zugwagen und Hänger. Das 10-Tage-Pickerl kostet 9,90 Euro. Österreich-Urlauber und Reisende, die das Alpenland auf ihrer Fahrt nach Italien, Slowenien oder Kroatien durchqueren, sollten wissen, dass neben der Vignette für die Autobahnbenutzung eine zusätzliche Sonder-Maut zum Beispiel für Brenner-, Tauern- oder Pyhrnautobahn auf einen zukommen können. Diese Strecken kosten extra, unabhängig von der Vignette.

Wer im Vorfeld die digitale Streckenmaut nutzt, kann die Mautstelle bequem ohne Anhalten passieren. Apropos digitale Vignette: Für Kurzentschlossene ist wichtig zu wissen, dass in Europa bei jeder Bestellung online oder telefonisch das Recht besteht, innerhalb von zwei Wochen vom Kauf zurückzutreten. Zuzüglich wird mit drei Tagen Postlaufzeit gerechnet, daher sind digitale Vignetten erst ab dem achtzehnten Tag nach Kauf gültig. Ausnahme: Beim Kauf digitaler Mautprodukte über den ADAC vor Ort sind diese sofort gültig.

Auf folgenden, für Reisende aus Deutschland bedeutenden Autobahnabschnitten in Österreich wird für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen dagegen keine Maut verlangt:

● Tirol: Inntalautobahn A12 (zwischen der Staatsgrenze bei Kufstein und der Anschlussstelle Kufstein-Süd)

● Land Salzburg: Westautobahn A1 (zwischen der Staatsgrenze am Walserberg und der Anschlussstelle Salzburg-Nord)

● Vorarlberg: Rheintal/Walgau-Autobahn A14 (zwischen der Staatsgrenze bei Hörbranz und der Anschlussstelle Hohenems) Ansonsten sei gesagt, dass sich das Ausweichen auf gebührenfreie Nebenstrecken mit Blick auf längere Fahrtzeiten, höhere Spritkosten und sonstige Verkehrsbeschränkungen allerdings nicht immer lohnt.

Sonderfälle: City-Maut, Umweltzonen und Co.

Bei unseren europäischen Nachbarn im hohen Norden gibt es keine Vignette. In Dänemark fällt Maut nur an Brücken wie der Storebaeltbrücke oder der Öresundbrücke nach Schweden an, die sich anhand der Gesamtlänge berechnet. Tipp: Zur Abrechnung kann sich ein Vertrag mit BroPas lohnen.

In Norwegen und Schweden werden die Fahrzeuge an den jeweiligen Mautstellen elektronisch erfasst. Die Rechnung wird anschließend per Post zugestellt.

Neben Autobahnen, Schnellstraßen, Brücken oder Tunnel können auch einige europäische Innenstädte mautpflichtig sein. So wird in ausgewählten Städten bei der Einfahrt eine City-Maut fällig oder die Zufahrt zur Umweltzone ist kostenpflichtig. Wie und in welcher Höhe die Gebühren erhoben werden, ist unterschiedlich. So kann die Bezahlung via Mautstation, (e)Vignette, dem Post-Pay-Verfahren oder einer On-Board-Unit erfolgen, in Einzelfällen auch Tickets in Zeitungsläden oder telefonisch erworben werden und die Preise je nach Tageszeit/Wochentag gestaffelt sein.

In folgenden Großstädten wird eine City-Maut erhoben: London (15 Pfund), Mailand (fünf Euro), Bologna (sechs Euro), Palermo (fünf Euro), Stockholm (ab elf SEK), Göteborg (ab neun SEK) und neben Bergen (ab 32 NOK) und Oslo (ab 28 NOK) viele weitere Innenstädte in Norwegen. In Frankreich gibt es in mehreren Städten Umweltzonen, die temporär bei Luftverschmutzungsalarm oder dauerhaft bestehen. Für die Einfahrt (<3,5 t) ist die kostenpflichtige Umweltplakette Crit ́Air nötig. Camper sollten sich unmittelbar vor Reiseantritt über die Lage in der betreffenden Reiseregion informieren und bei Bedarf rechtzeitig online eine Crit’Air-Plakette erwerben.

Die ZFE-m (Zone à Faibles Émissions mobilité) genannten Zonen, die in Zukunft auf weitere Städte ausgedehnt werden sollen, betreffen momentan die Städte Paris, Marseille, Montpellier, Rouen und Straßburg. Grenoble, Lyon, Nizza, Reims, Saint-Étienne und Toulouse betreffen aktuell nur Lkw, sollen aber künftig zum Teil auch für Pkw/Reisemobile gelten. Die Crit’Air-Plakette gibt es in sechs verschiedenen Farben und ist nach Abgasklasse gestaffelt. Sie kostet 4,61 Euro.

Und noch ein Spartipp zum Schluss: Bei der Recherche hat sich wieder einmal die Weisheit bestätigt, wer sich vorab informiert, online E-Vignetten/Sondermautstrecken bucht und auf Nebenstrecken und Nebensaison ausweicht, reist günstiger. Sie wollen lieber übersetzen und spielen mit dem Gedanken, eine Fähre zu buchen? Hier erhalten Sie Tipps, welches Buchungsportal für Fährverbindungen in Europa am besten ist und wie Sie sparen können.

Infobox

Praxistipp: Vignette entfernen ganz einfach

Die richtige Anbringung einer unbeschädigten Vignette ist kein Hexenwerk: Es empfiehlt sich, sich möglichst genau an die Empfehlungen der Trägerfolie der jeweiligen Vignette zu halten und die Vignette in der Regel innen, gut sichtbar an der Windschutzscheibe (nicht Seitenfenster, Heckscheiben oder hinter Tönungsstreifen) zu platzieren. Jeder hat aber sicher schon mal Windschutzscheiben gesehen, auf denen der Fahrer stolz seine Vignetten-Sammlung der letzten Jahre präsentiert hat. Grundsätzlich ist es zwar nicht verboten, die alte Vignette an der Scheibe zu lassen, wenn die Polizei das Gesetz aber sehr penibel auslegt, könnten alte Vignetten die Sicht einschränken, was eine ordentliche Geldbuße nach sich zieht.

Am einfachsten lässt sich Pickerl und Co. mit einem speziellen Vignetten-Entferner (z. B. von Nigrin, circa sechs Euro) oder einem heimischen Glaskeramik-Schaber entfernen. So geht’s: Einfach eine Rasierklinge einspannen, den Schaber von einer Ecke her (nicht mittig von unten) unter die Vignette schieben und diese per Schaukelbewegung von rechts nach links von der Scheibe lösen. Klebe-Rückstände lassen sich mit einem befeuchteten Tuch und dem Schaber beseitigen. Oder man greift zu Hausmitteln wie dem Klassiker Glasreiniger oder dem Geheimtipp Bremsenreiniger. Auftragen, einwirken lassen, abkratzen – und der Versuchung widerstehen, die Vignette wiederzuverwenden. Das wäre Betrug und zieht ein saftiges Bußgeld nach sich.

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