> Pössl Campstar

Einer für alles

07.07.2023
Text: Andreas Güldenfuß | Bild: Redaktion

So schön, praktisch und komfortabel das Reisen mit dem Wohnwagen auch ist, für spontane Wochenend-Trips kann der Aufwand unter Umständen ein bisschen zu hoch sein. Geht Alltags-, Urlaubs- und Zugfahrzeug auch in einem?

Die Idee ist nicht neu und dass ein Bus oder eine Großraumlimousine mit entsprechendem Format meist sehr angenehm vor dem Caravan läuft, ist auch keine neue Erkenntnis. Besonders die V-Klasse mit serienmäßigem Heckantrieb tut sich hier hervor – und bietet derzeit das beste Paket, denn der als Fronttriebler traktionsschwache VW T6.1 ist als Allrad nicht mehr zu bestellen. Den Mercedes gibt es zwar auch noch als 4Matic, die Option kann man sich unter normalen Umständen und bei unseren Wintern aber fast sparen.

Die Kombination eines alltagstauglichen Campers fürs Wochenende und ein alltagstaugliches Familienfahrzeug bietet auch Mercedes mit dem hauseigenen Marco Polo. Innerhalb der letzten zwei Jahre sind zusätzlich vermehrt andere Serienhersteller auf die Basis Vito oder V-Klasse aufgesprungen und haben ein bisschen Bewegung in den Markt gebracht. Besonders Pössl hat zum Einstieg mit dem Vanstar eine wahre Preisschlacht eröffnet und selbst heute, ein paar Preiserhöhungen später, kostet der Vanstar mit Bett und Aufstelldach weniger als ein Vito Mixto mit Zweiersitzbank im Blechladeraum.

Bei der gehobeneren Campstar Ausführung, diese basiert auf Vito oder V-Klasse, sieht es ein bisschen anders aus: Die V- Klasse lang mit 163 PS beginnt bei knapp 60.000 Euro, der Pössl – allerdings mit Schlafsitzbank, Aufstelldach mit zwei Betten, Kleiderschrank, Kompressor-Kühlbox und komplett ausgestatteter Schwenkküche – bei knapp 69.000 Euro, der Marco Polo geht bei rund 75.000 Euro los. Echte Schnäppchen macht man derzeit keine – und die Argumentation Alltags- und Zugfahrzeug in einem, hat der Caravaner eigentlich immer.

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Kurz-Infos Pössl Campstar

Kategorie: Campingbus
Anhängelast: 2000 kg
mit B-Führerschein 750 kg
Antrieb: Heckantrieb
Preis: ab 70.999 Euro

Bildergalerie

Das besondere am Campingbus als Zugfahrzeug ist einfach das „immer dabei haben“. Ganz egal, wohin man fährt, der Kühlschrank und das Bett sind an Bord. Das kann zum einen schon bei Einkäufen bei sommerlichen Temperaturen nützlich sein – aber auch, wenn es auf der sommerlichen Gartenparty ein bisschen später und lustiger als geplant wird. Da schon mit angehängtem Wohnwagen vorfahren, wäre ja Vorsatz.

Auch mit Kindern ist es immer praktisch, eine Küche und ein Schlafzimmer dabei zu haben. Natürlich muss so ein Fahrzeug in den Lebensabschnitt passen. Wer außer im Urlaub mit dem Wohnwagen nichts mit dem Thema zu tun hat, braucht keinen Campingbus. Er ist, wenn er den Platz und die Fahreigenschaften möchte, mit einem normalen Bus besser beraten. Wer allerdings mehr Draußen unterwegs ist, gerne Kurztrips zum Wandern, Radeln oder in schöne Städte macht und sich nicht jedes Mal um einen Stellplatz für den Caravan bemühen möchte, für den ist es schon ganz praktisch.

Vom Fahrverhalten gibt es so gut wie keine Unterschiede zur V-Klasse. Das Aufstelldach macht ein wenig Windgeräusche beim Fahren und der Verschluss müsste mal nachgestellt werden, der Rest ist typisch Mercedes. Der 250d mit 190 PS und 9-Gang-Automatik ist tadellos. Der Vierzylinder mit knapp zwei Litern Hubraum läuft schön leise und begnügt sich – gemütlich bewegt – mit gut acht Litern. Mit bis zu zwei Tonnen am Haken werden es vier bis fünf Liter mehr. Das Fahrverhalten ändert sich auch hier kaum, da der Wohnwagen im Windschatten des Zugfahrzeugs hinterherfährt. Auch der Überblick nach hinten ist durch die erhöhte Sitzposition und die Breite der V-Klasse ausgezeichnet.

Trotz der Höhe ist das Fahrverhalten sehr gut. Auch mit Wohnwagen am Haken ist der Mercedes nur schwer aus der Ruhe zu bekommen. Die Anhängelast kann bis 2.500 kg erhöht werden.
Foto: Redaktion

Im Alltag wirkt der Camper für Laien wie eine normale V-Klasse. Das GfK-Dach und der Anschluss für den Landstrom ist nur für Insider zu erkennen. Der Innenausbau mit der verschiebbaren Zweiersitzbank ist ausreichend flexibel – wenn auch nicht mehr so komfortabel und praktisch wie mit den Mercedes-Einzelsitzen. Mit zwei Personen lässt sich die gut 60 Kilogramm schwere Bank auch entnehmen und man hat noch 2,60 Meter Ladelänge, nur eben weniger Breite durch den Möbelbau.

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Gespannbewertung Pössl Campstar

  • Traktion: gut
  • Fahrstabilität: sehr gut
  • Erreichbarkeit Steckdose: mäßig
  • Bedienung AHK: manuell
  • Anhänger-ESP: ab Werk
  • Dauerplus: optional nachgerüstet
  • AHK-Höhe: 38,5 cm
  • Berganfahrhilfe: ab Werk

Die Kombination Campingbus und Caravan ist nie verkehrt, sei es für flexiblere Freizeitgestaltung oder für die Familie, die das Zugfahrzeug als zweites Schlafzimmer bzw. Kinderzimmer nutzt. Denn soviel sei verraten, im Wohnwagen schläft man bequemer als auf einer unebenen Bank oder einem Dachbett mit einer vier Zentimeter dünnen Matratze. Mehr Infos zum Fahrzeug: www.poessl-vanline.de

Zum Weiterlesen: Mehr Zugfahrzeug-Fahrtests finden Sie hier.

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Andreas Güldenfuß
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