Leapmotor hat seit seinem Markteintritt erhebliche Schritte beim Ausbau des Händlernetzes gemacht und glänzt nun mit einem E-SUV C10 4x4.
In China geht alles etwas schneller. Das gilt auch für Leapmotor. Vor gerade zehn Jahre gegründet, werden die Modelle der Marke heute vom Stellantis-Konzern weltweit angeboten. Bisher entstanden mehr als eine Million Modelle, wobei die letzten 500.000 Fahrzeuge allein im vergangenen Jahr gefertigt wurden. Das Top Modell C10 feierte als Allradler mit 430 kW seine Weltpremiere bei der Auto Zürich, die den traditionellen Genfer Automobilsalon abgelöst hat. Für 44.900 Euro steht das SUV bei den inzwischen rund 120 Händlern in Deutschland – europaweit sollen es 600 sein.
Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob ein Elektro-SUV unbedingt 580 PS benötigt, um 2,1 Tonnen Automobil zu beschleunigen. Vor allem, wenn die Höchstgeschwindigkeit bei 190 km/h abgeregelt wird und die Anhängelast gerademal 1.500 kg betragen darf. In Zeiten der Elektromobilität sind Leistungswerte möglich, die früher höchstens von Sportwagen aus Stuttgart oder Modena erreicht wurden. Die Allradversion des C10 unterscheidet sich außen und innen nicht von der Variante mit Heckantrieb. Das Design entspricht dem inzwischen weltweiten Standard und fügt sich in die irgendwie von allen Designabteilungen akzeptierten Formensprache ein.
Im Innenraum findet der Mensch hinter dem Lenkrad eine digitalisierte Landschaft vor und sucht vergebens nach analogen Schaltern. Allenfalls die Fenster werden über konventionelle Elemente bedient, und zum Glück lassen sich Scheibenwischer und das Licht ganz analog ein- und ausschalten. Der Rest wird über einen 14,6 Zoll großes zentrales Display bedient und verlangt eine kurze Eingewöhnungszeit. Einmal in die digitale Bedienwelt eingestiegen, lassen sich aber während der Fahrt die wichtigsten Einstellungen finden. Dennoch ist es generell nicht unbedingt logisch, dass die Benutzung des Smartphones während der Fahrt mit hohen Bußgeldern geahndet wird, die durchaus ablenkende Suche auf den inzwischen üblichen Monitoren allgemein akzeptiert wird.
Der 430 kW starke Allradantrieb wird von einem 81,9 kWh leistenden Akku mit Energie versorgt, was eine Reichweite von 450 Kilometer ermöglichen soll. Als Verbrauch verspricht Leapmotor im Schnitt 20,5 kWh, ein angesichts einer ersten kurzen Ausfahrt in der tempobegrenzten Schweiz durchaus realistischer Wert. Mit den erlaubten 1.500 kg am Haken werden sich die Reichweite reduzieren und der Verbrauch ansteigen. Laden kann der C10 4×4 mit seiner 800-Volt-Technik mit bis zu 180 kW, was zumindest für kurze Aufenthalte bei den vielen Stopps nach Italien sorgen wird.
Im Innenraum empfangen hochwertige und gut verarbeitete Materialien und ein unterhaltsames Farbenspiel der Ambientebeleuchtung die Insassen. Die Sitze sind angenehm und vorn mit Massagefunktion ausgerüstet und bieten ausreichend Seitenhalt. Im Fond herrschen dank des 2,80 Meter langen Radstands angenehme Platzverhältnisse. Das Fahrwerk des C10 4×4 ist eindeutig auf Komfort ausgelegt, und erst mit der Einstellung „Sport“ machen sich eher dezente dynamische Eigenschaften bemerkbar. Dann ist die Lenkung deutlich straffer, doch der C10 ist auch in der Allradversion kein Kurvenjäger und stattdessen eher ein Vertreter der gelassenen Fahrweise. Etwas anderes will er auch gar nicht darstellen.
Das im italienischen Entwicklungszentrum des Stellantis-Konzerns für Europa aufbereitete Fahrwerk schluckt Unebenheiten gut, und die Fahrgeräusche bleiben dezent im Hintergrund. Das Gepäckabteil ist mit einem Fassungsvermögen von 370 Litern (1.410 bei umgeklappter Rücksitzbank) überraschend überschaubar. Da sind vergleichbare Modelle großzügiger ausgerüstet.
Camping, Cars & Caravans jederzeit und überall digital lesen.
Wohnwagen kaufen oder verkaufen – ob als Händler oder Privatperson.