> Kunst und Kultur im Thüringer Wald

Städtetipp Meiningen: Perle des Klassizismus

18.02.2026
Text: Marc Peschke | Bild: Meiningen Gmbh/Peter Steinwachs

Die Theaterstadt Meiningen im Thüringer Wald ist etwas ganz Besonderes in Sachen Kunst und Kultur, aber auch Natur und viel Dampf.

Entdeckungslust kommt auf, und so geht es mal wieder nach Thüringen – diesmal nach Meiningen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Die Kreisstadt im fränkisch geprägten Süden Thüringens hat etwa 25.000 Bewohner, liegt im Tal der Werra und ist – man sieht es gleich – eine Perle des Klassizismus.

Meiningen war ab 1680 Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen. Und die Herzöge ließen besonders im 19. Jahrhundert großzügig bauen. Prächtige Straßen, ein die Stadt durchfließender Kanal, großzügige Villen. Wie so oft in Thüringen: alles noch da. „Thüringen ist mit Villen des Biedermeier, des Historismus vorzüglich italienischer Couleur, des Jugendstil und der zwanziger Jahre noch ziemlich gesegnet“, schreibt Günter Metken in seinem Buch „Reisen durch Europa“ – und diesem Reiz folgen wir immer wieder gerne.

International bekannt wurde Meiningen vor allem auch durch sein Theater, durch die Theaterreform unter Herzog Georg II. und die Blütezeit der Meininger Hofkapelle unter der Führung bekannter Dirigenten wie Hans von Bülow und Max Reger. Die gotische und neogotische Stadtkirche „Unserer lieben Frauen“, das höchste Denkmal der Stadt, ist der Mittelpunkt der Altstadt. Hier komponierte Reger, Meister der Meininger Hofkapelle, an der Orgel.

Die evangelisch-lutherische Stadtkirche „Unserer lieben Frauen“, auch St. Marien genannt, ist der bedeutendste Sakralbau Meiningens. Die beeindruckende dreischiffige Hallenkirche zählt zu den Wahrzeichen der Stadt Meiningen. 
Foto: Marc Peschke

Schöne Parks im englischen Stil erinnern an die Zeit, als Meiningen zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren Deutschlands aufsteigen konnte, als kleine Schwester Weimars. Ein berühmter Gast der Stadt war Johannes Brahms, der mit dem hiesigen Orchester zusammenarbeitete. Die Literaten Jean Paul und Ludwig Bechstein lebten in Meiningen, auch Friedrich Schiller war eine Zeit lang hier, im nahen Dorf Bauerbach.

Einen Besuch lohnt außer dem traditionsreichen, in seiner jetzigen Form im Jahr 1909 eröffnete Meininger Staatstheater auch das Theatermuseum „Zauberwelt der Kulisse“, wo die berühmten historischen, illusionistischen Bühnenbilder aus der Coburger Werkstatt der Gebrüder Brückner präsentiert werden. Zu sehen sind auch eigenhändige Bühnenbild- und Kostümentwürfe des „Theaterherzogs“, der sich von den Historienmalern Wilhelm von Lindenschmitt d. Ä., Wilhelm Kaulbach und Peter von Cornelius beeinflussen ließ.

Weiterhin Teil der „Meininger Museen“ ist das barocke Schloss Elisabethenburg. Eine Dreiflügelanlage, die seit 1682 entstanden ist und bis 1918 die Residenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen war. Das Schloss ist das städtebauliche Wahrzeichen der Stadt mit seinen verschiedenen Sammlungen zu Kunst, Musik und Theater, dem hier untergebrachten Rathaus und der Schlosskirche mit dem „Konzertsaal Johannes Brahms“. In jedem Fall ist eine Einkehr im Turmcafé zu empfehlen. Dort warten Kaffee, Kuchen und Torten in einem barocken Saal.

Hier im Barockschloss wurde auch royale Geschichte geschrieben. Denn Adelheid Prinzessin von Sachsen-Meiningen, geboren 1792 in Meiningen als Tochter des Herzogs Georg I. von Sachsen-Meiningen und dessen Gemahlin Prinzessin Louise Eleonore zu Hohenlohe-Langenburg, war ab 1830 Königin von Großbritannien und Irland sowie Königin von Hannover.

Meiningen war schon im 19. Jahrhundert eine Theaterstadt und ist es bis heute. Das Meininger Theater wurde 1831 gegründet: Die Aufführungen der „Meininger“, ihre Gastspielreisen – innerhalb von 16 Jahren gab es etwa 2.900 Aufführungen – erregten Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund ihrer neuen Art zu inszenieren europaweites Aufsehen. Im Fokus standen absolute Werktreue, Priorität der Ensembleleistung und das Streben nach einem Gesamtkunstwerk.

Beeinflusst von der naturalistischen Theaterarbeit der „Meininger“ waren unter anderem die Royal Shakespeare Company, der russische Theatermacher Konstantin Stanislawski, Sergeij Eisenstein und Lee Strasberg, in dessen „Actors Studio“ Al Pacino, Robert de Niro, Marlon Brando und Dustin Hoffman ihre Karrieren begannen. Würde es Hollywood ohne Meiningen geben? „Natürlich nicht – ohne Meiningen kein Hollywood“, sagen die Meininger. Und es stimmt ja auch: Das moderne Regietheater, das hat hier in Meiningen seinen Ursprung. Stanislawski hatte in den Jahren 1885 und 1890 in Moskau Gastspiele der Meininger erlebt. Und im Jahr 1923 war es der junge Lee Strasberg, der in New York ein Gastspiel des Moskauer Künstlertheaters unter Stanislawski sah. Und so wurde die Tradition des wirklichkeitsnahen Spiels weitergeführt.

Die Planungen zum Jubiläum des 200. Geburtstags von Georg II. im kommenden Jahr laufen schon auf Hochtouren. Man wird den Theaterherzog im großen Stil feiern, diesen Förderer von Kunst und Kultur, der Theaterleiter, Regisseur, Bühnenbildner und auch ein wichtiger politischer Reformator in seinem Herzogtum war.

Auch das Staatstheater unter der Leitung des Intendanten Jens Neundorff von Enzberg ist in der kleinen Stadt von zentraler Bedeutung. Hier wird auf sehr hohem Niveau gespielt und dafür reist das Publikum aus ganz Deutschland an.

In der Dampflok Erlebniswelt Meiningen zeigen interaktive Medienstationen, wie eine Dampflok angetrieben wird.
Foto: Meiningen Gmbh/Peter Steinwachs

Meiningen hat eine große kulturelle Geschichte. Doch wie sieht die Gegenwart aus? Darüber lässt es sich in der so gediegenen wie gemütlichen historischen Gaststube des „Goldenen Zwinger“ in der Zwingergasse nachdenken, wo schon Hofkapellmeister Max Reger seine Klöße, auch „Mäninger Hüt’s“ genannt, genoss.

Die zeitgenössische Kunst können wir am nächsten Morgen beäugen: Wir besuchen die „Städtische Galerie ada“ in der Bernhardstraße. Hier hat die Gegenwartskunst ihren Ort gefunden. Derzeit ist die Schau „Irony“ zu sehen. In Kooperation mit der Burg Giebichenstein Halle werden Arbeiten von Studierenden der Klassen von Prof. Tobias Hantmann und Prof. Paul McDevitt gezeigt. Eine Wettbewerbsschau mit nur einer einzigen Vorgabe: die Verwendung eines Bügelbretts als Gestaltungselement.

Etwas ganz Gegenwärtiges ist auch das 2022 eröffnete Kombinat Meiningen. Ein Ort der Kreativität, Innovation und Zusammenarbeit in der historischen Villa Beck.

Rund um Meiningen finden wir ein vielfältiges Rad- und Wanderwege-Netz. Denn Meiningen liegt am Ostrand des Biosphärenreservates Rhön, ganz in der Nähe der hessischen und bayerischen Grenze – und auch der Thüringer Wald ist nah. Bis in die Landeshauptstadt Erfurt ist es nicht weit, ins hessische Fulda auch nicht – aber auch die Unterfrankenmetropole Würzburg ist kaum eine Autostunde entfernt.

Noch viel näher: Westlich der Altstadt erhebt sich der über 400 Meter hohe Herrenberg mit seinem Landschaftspark, der als Ganzes ein Kulturdenkmal ist. Natürlich war es Herzog Georg II., der ihn ausgestaltete. Vom aussichtsreichen Diezhäuschen auf einem Felsvorsprung führen Promenadenwege und auch der Wanderweg „Der Meininger“ durch wunderbare, südeuropäisch anmutende Kiefernwälder, etwa zum Henriettenplatz und von dort wieder hinab ins Villenviertel rund um die Goetz-Höhle. Und wer noch höher hinauswill: Nur 11 Kilometer westlich von Meiningen erhebt sich der Gebaberg, auch „die Geba“ genannt – mit 750 Metern die höchste Erhebung der Vorderen Rhön.

Die Stadt ist an verschiedene Radfernwege angeschlossen, den Werratalradweg, den Main-Werra-Radweg und den Radweg Meiningen-Haßfurt. Wir radeln an der Werra über Wasungen nach Schmalkalden, eine echte Fachwerkperle mit schönen Plätzen und Grünanlagen. Eine weitere, sehr empfehlenswerte Radtour führt uns über den Ortsteil Sülzfeld zu Schloss und Gut Amalienruh, dem ehemaligen Sommersitz der Herzogin Elisabeth Sophie von Sachsen-Meiningen. Ein anderer kleiner Ausflug lockt uns in das Fachwerkdorf Rohr, wo mit St. Michael die älteste Kirche Thüringens auf uns wartet.

Zum Abschluss gibt es noch einmal Kunst der besonderen Art: Auf über 900 Quadratmeter tauchen wir in der Dampflok Erlebniswelt Meiningen in die faszinierende Welt der Dampflokomotiven ein. Die Funktionsweise der Dampflokomotive wird auf einmalige Art und Weise an einer entlang der Längsachse dreigeteilten Lok erklärt.

Campingplatz Meiningen

Durch seine zentrale Lage ist der Campingplatz Meiningen ein idealer Ausgangspunkt für eine Stadterkundung, aber auch für Ausflüge und Wanderungen in den Thüringer Wald, die angrenzende Rhön und das Grabfeld.
Foto: Camping Meiningen

Campingplatz Meiningen, Freizeitzentrum, Rohrer Stirn 1, 98617 Meiningen, Tel.: 03693/484-421, camping@stadtwerke-meiningen.de, www.stadtwerke-meiningen.de/freizeitbaeder/camping

Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober geöffnet.

Städtischer Campingplatz mit terrassiertem Wiesengelände am Hang, durch jüngere Buchenhecken und Bäume gegliedert und aufgelockert. Die ebenen Standplätze sind auf Schotterrasen und voll versorgt. Ruhig gelegen, saubere Sanitäranlagen. Um den Campingplatz zu erreichen, ist eine ca. 10-%ige Steigung zu überwindend – das ist in der Campingplatz-Beschreibung auch angekündigt. Der Campingplatz liegt direkt an einem Freibad, WLAN kostenlos verfügbar. ADAC-Vergleichspreis: 31 Euro.

Infos und Adressen

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