> Zugfahrzeugtest Nissan X-Trail e-Power 4x4 e-4ORCE

Großer Familien-SUV mit ungewöhnlicher Hybridtechnik

26.02.2024
Text: Andreas Güldenfuß | Bild: Redaktion

Ein Dreizylinder-Ottomotor, der einen Generator antreibt, der wiederum Energie für zwei Elektromotoren erzeugt. Klingt spannend, aber kann er auch ziehen? Wir testen den Nissan X-Trail e-Power mit Allradantrieb im Solo- und im Gespannbetrieb.

Leistung hat er auf jeden Fall genügend, der Nissan X-Trail, der seit 2021 in der vierten Generation auf dem Markt ist. 204 elektrische Pferdestärken an der Vorderachse, 136 PS an der Hinterachse – wobei die maximal elektrische Systemleistung nur mit 213 PS angegeben ist. Aber auch das ist schon ganz ordentlich, wenn man bedenkt, dass der Dreizylinder-Turbomotor nur 158 PS leistet. Das für den Gespannbetrieb, besonders wenn ein Benziner im Test ist, nicht unerheblich wichtige Drehmoment ist nur einzeln angegeben. Der Motor an der Vorderachse leistet 330 Nm, der an der Hinterachse 195 Nm, das ganze wie bei Elektromotoren üblich immer und jederzeit. Die Frage, ob der Nissan ziehen kann, kann somit direkt beantwortet werden. Kann er. Den erwarteten Vorteil der ausgeklügelten Hybridtechnik kann es dabei allerdings nicht erfüllen.

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Kurzinfo Nissan X-Trail

Kategorie: SUV Mittelklasse
Anhängelast: 1.650 KG
Mit B-Führerschein: 965 KG
Antrieb: Allrad
Preis: ab 35.500 €

Bildergalerie

Der X-Trail ist groß. Bis zu sieben Sitzplätze hat unser Testwagen, als Fünfsitzer dürfte er sogar bis 1.800 Kilogramm ziehen, hätte bei 200 Kilogramm weniger Gesamtgewicht aber vermutlich genauso eine maximale Zuggesamtmasse von 4.035 Kilogramm. Das Platzangebot als Fünfsitzer ist wirklich gut, wird die dritte Reihe aktiviert, müssen die hinteren Bänke sehr zusammenrücken. Zu groß dürfen die Notsitzler auch nicht sein und Kofferraum gibt es auch keinen mehr. Die 800 Euro Aufpreis für die dritte Reihe kann man sich eigentlich sparen, denn als normaler Vier- oder Fünfsitzer ist der Nissan ein wirklich schöner Reisewagen.

Auf langen Strecken, aber auch im Alltag oder in der Stadt funktioniert das System richtig gut. Der vergleichsweise kleine Otto-Motor läuft vorzugsweise in seinem verbrauchsoptimalen Drehzahlbereich und lädt über einen Generator einen 2,1- kWh großen Lithium-Akku, der die Motoren mit Energie versorgt. Bei gemütlichem Cruisen, in der Stadt im Stop-and-go-Verkehr mit viel Energierückgewinnung ist dazu wirklich wenig Unterstützung des Otto-Motors nötig. Ist der Puffer leer und es wird Leistung wie beim Ziehen eines Wohnwagens gefordert, muss der Dreizylinder ganz schön arbeiten – was den Verbrauch mal schnell verdoppelt.

Das ist keine große Überraschung, nur die Erkenntnis, dass es geht. Dass der X-Trail trotz der neuen, komplexen Technik auch unter WLTP-Voraussetzungen nicht zu den sparsamsten gehört, ist vermutlich dem Allrad und dem daraus resultierenden Gewicht geschuldet – der Einstiegs-e-Power mit Frontantrieb ist zumindest mal mit einem Liter weniger angegeben. Um den Nissan sparsam zu fahren, braucht es einen vorsichtigen Gasfuß und man muss aktiv mit Rekuperation und One-Pedal-Drive spielen. Vorausschauend fahren lohnt sich doppelt – auch wenn sich andere Verkehrsteilnehmer ärgern, wenn man schon früh vom Gas geht und bis zur roten Ampel Bremsenergie sammelt. Den an die Situation angepassten Modus am zentralen Schalter wählen, hilft auch.

Der Benziner treibt immer den Generator an, erzeugt Energie, welche in der Batterie gespeichert oder direkt verbraucht wird.

Bedienung und Verarbeitung des inzwischen in Japan gebauten SUV ist sehr gut. Funktionell und edel, was natürlich auch an der höchsten Ausstattungslinie Tekna + liegt. LED-Scheinwerfer, große Touch-Displays, 360-Grad-Around-View und alle verfügbaren Assistenzsysteme sind natürlich an Bord, alles, was elektrisch oder automatisch bedient werden kann, ist verbaut. Dass viele wichtige Funktionen am zentralen 12,3 Zoll großen Touchscreen auch noch mit Tasten zu bedienen sind, ist ganz angenehm – woran man sich aber immer mehr gewöhnen muss, um nicht im Labyrinth der Untermenüs zu verlaufen, ist die Sprachsteuerung.

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Technische Daten Nissan X-Trail e-Power 4x4 e-4ORCE

ANTRIEB

  • Motor: 3-Zylinder-Turbobenziner
  • Hubraum: 1.497 cm3
  • Leistung: 116 kW (158 PS) bei 4.600/min, max. Drehmoment: 250 Nm bei 2.400/min
  • Antrieb: Allradantrieb
  • Getriebe: 1 Gang-Automatikgetriebe
  • CO₂-Ausstoß: 143 g/km

KAROSSERIE:

  • Länge/Breite/Höhe: 4.680/1.840/1.720 mm
  • Radstand: 2.705 mm
  • Kofferraum: 177 – 1.298 Liter
  • Leergewicht: 1.961 kg
  • zul. Gesamtmasse: 2.535 kg
  • Zuladung: 574 kg

ANHÄNGELAST

  • gebremst/ungebremst: 1.650/750 kg
  • Maximale Anhängelast
  • mit B-Führerschein: 965 kg
  • Stützlast: 100 kg
  • Leistungszuggewicht: 34,8 kg/kW

FAHRLEISTUNGEN:

  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 7,2 s
  • Tankinhalt: 55 l
  • Verbrauch (l/100 km): WLTP 6,3 l
  • Test: 7,5l (solo)/15,0 l (Gespann)
  • Reichweite: 733 km/366 km
  • Anhängerkupplung abnehmbar 656 Euro,
  • Elektrosatz 13-polig 161 Euro zzgl. Montage

Unser Fazit: Das große SUV mit Allrad fährt sich toll mit Wohnwagen, wenn auch Nissan keine besonderen Assistenzsysteme für Gespannfahrer an Bord, keine bequem zu bedienende automatische Anhängerkupplung, Kamerazoom auf den Kugelkopf, nicht einmal eine Stromversorgung an die Steckdose bietet. Auch wenn der Vorgänger, zuletzt mit einem 1,7 Liter Turbodiesel, noch zwei Tonnen ziehen durfte, diese Ära ist seit 2020 vorbei. Allerdings hat der kleine Diesel vor drei Jahren auch ein bisschen weniger gekostet. Ab knapp 50.000 Euro geht der 4×4 X-Trail los, zum Einstiegspreis gibt es einen Mild-Hybrid, der darf aber nur 670 Kilogramm ziehen. Mehr Infos auf www.nissan.de.

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Gespannbewertung

  • Traktion sehr gut
  • Fahrstabilität gut
  • Erreichbarkeit Steckdose gut
  • Bedienung AHK manuell
  • Anhänger-ESP ja
  • Dauerplus nein
  • AHK-Höhe 45 cm
  • Berganfahrhilfe ja
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Andreas Güldenfuß
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